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25-08-2015 

Er kämpft für die steinerne Geschichte der Stadt

Vor 20 Jahren gründeten Klaus und Gabriele Reymann die Krefelder Baudenkmalstiftung

 

© Von Egon Traxler

 

Vor 20 Jahren setzte Architekt Klaus Reymann auf Sieg. Er wollte die Renaissance der maroden Gebäude an der Pferderennbahn im Stadtwald. Der Krefelder August Biebricher hatte die Entwürfe für die Rennbahngebäude geliefert, die 1913 mit dem ersten Rennen offiziell eröffnet wurden. Mit dem energischen Reymann setzten viele, vor allem wohlhabende Krefelder auf dasselbe Pferd. „Eine Stadt, die ihre Denkmäler vergisst, verliert ihre Geschichte“. Das sagte der damals 53 Jahre alte Reymann 1995 zur Eröffnung der grundrenovierten drei Tribünen und der Innenräume im Biebricher-Ensemble der zahlreich angereisten Prominenz. Und das ist noch heute das Fundament seiner Arbeit.

 

Das war gleichsam die Geburtsstunde der Krefelder Baudenkmalstiftung, die im August 1995 von Reymann und seiner Frau Gabriele aus der Taufe gehoben wurde. Bis heute ist Reymann ihr Vorsitzender und hat mit zahlreichen Projekten dafür gesorgt, dass Krefeld seine Geschichte in vielen Bereichen nicht verloren hat. Die Rennbahnrettung war dabei das bisher größte und aufwendigste Projekt für Reymann. Rund 1,75 Millionen Mark sammelte er dabei in der Krefelder Geschäftswelt, wohlwollend unterstützt von den beiden damals amtierenden Oberbürgermeistern Willi Wahl (SPD), der im November 1994 vom Christdemokraten Dieter Pützhofen abgelöst wurde.

 

In einem der Regale im Büro- und Wohngebäude von Reymann auf der Bismarckstraße steht noch die Halbkugel, die Reymann von der Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) als Auszeichnung für das Rennbahn-Projekt verliehen wurde.

 

Seit ihrer Gründung hat die Krefelder Baudenkmal-Stiftung eine Reihe von denkmalgeschützten Bauwerken in der Stadt finanziell unterstützt: die Eisenbahnbrücke am Voltaplatz, Sockel und Inselgestaltung auf dem Bismarckplatz, die Restaurierung der Mies-Denkmäler Haus Lange und Haus Esters, die Instandsetzung des Deuss-Tempels im Stadtwald oder auch die Restaurierung des historischen Tores an der Mennoniten-Kirch-Straße.

 

Ständig kommen neue Förderprojekte hinzu, für die die Stiftung als Spendensammelbecken fungiert und zugleich mit Expertenrat und -tat zur Seite steht. Die Stiftung beteiligt sich jeweils mit einer relativ geringen Summe als Initiator aus. Reymann: „Eine Förderung der Stiftung in Höhe von 10.000 Euro im Schnitt löst im Schnitt Investitionen um das Fünffache aus.“ Eigentlich fungiere die Denkmalförderung auch als Wirtschaftsförderung, stellt Reymann schmunzelnd fest. Bis heute hat die Stiftung rund 3,3 Millionen Euro an Fördersummen zur Verfügung gestellt. Umso bedauerlicher sei die Einstellung der Denkmal Förderung durch das Land, klagt der Architekt. Seit 2015 hat die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Förderung eingestellt. „Das macht es natürlich sehr viel schwerer, weitere Projekte zu finanzieren.“

 

Entschieden und begleitet werden die Fördermaßnahmen durch den Stiftungsvorstand mit Klaus Reymann als Vorsitzendem und Armin te Neues als Stellvertreter und das Kuratorium unter dem Vorsitz von Helmtrud Köhren-Jansen, Denkmalexpertin beim Landschaftsverband Rheinland. Die beiden letzten Projekt waren grundlegende Sanierungsarbeiten an den beiden historischen Pavillons im Stadtgarten und im Kaiser-Friedrich.Hain.

 

Im Auge hat die Stiftung solche Vorhaben wie die Renovierung des Eingangstores von der St.-Anton-Straße in den Stadtgarten und der Grabmale im ehemaligen Friedhof. Das Künstlerhaus von Frank Jacob Esters auf der Hüttenallee steht ebenso auf der Wunschliste von Reymann wie die Instandsetzung des maroden Terrassenbodens der Musikschule im Sollbrüggenpark. Dort hatte die Stiftung zuvor schon zur Wiederherstellung der Deckenmalereien beigetragen. Fördergelder will die Stiftung auch für das Haus von Architekt Hans Poelzig an der Kliedbruchstraße aufbringen. Ebenso wie für weitere Vorhaben am Gymnasium am Moltkeplatz

 

Mit der Gründung der Stiftung hat sich der dreifache Vater und neunfache Großvater für die Einrichtung eines Architektenpreises eingesetzt. Als einen „Mies-van-der-Rohe-Award hat er ihn vorgeschlagen. Den Namen konnte er zwar nicht realisieren, wohl aber den Preis. Jährlich vergibt die Stadt seit 2008 den Architekturpreis. Vor fünf Jahren ging dieser Award sogar an die Familie Reymann. Sohn Piet, der das Büro inzwischen von seinem Vater übernommen hat, erhielt die Auszeichnung von Oberbürgermeister Gregor Kathstede für den Entwurf für das Wohnhaus Am Flohbusch 60 in Verberg.

  

Projekte der Stiftung:

 Die Sanierung des Deuss-Tempels im Krefelder Stadtwald hat -Stiftung 2008 des Projektes mit rund 29 000 Euro bezuschusst. Mit 15 000 Euro hat die Stiftung für die Restaurierung von drei Portalen auf der Hofseite des Gymnasiums am Moltkeplatz zur Verfügung gestellt, außerdem ein großes Pflasterkarree an der Frontseite wieder herstellen lassen. Im Kaiser-Friedrich-Hain hat sich die Baudenkmalstiftung mit rund 20 000 Euro um die Restaurierung des Pavillons mit dem Kupferdach gekümmert. Weitere 20 000 Euro waren der Stiftung der Wiederaufbau der Mauer und des Eingangsportals des ehemaligen Naturkundemuseums Haus Heyes an der Westseite des Kaiser-Friedrich-Hains wert. Für den Musikpavillon im Stadtgarten hat die Stiftung rund 15 000 Euro bereitgestellt. Zur Erhaltung des historischen Paramentenweberei Gotzes übergab die Krefelder Baudenkmal-Stiftung 15 000 Euro an den Förderverein. Dank der 10 000 Euro der Stiftung strahlt die West-Rosette an der evangelischen Lutherkirche in altem bzw. neuem Glanz. Zu den weiteren Projekten gehörten u.a. Zuschüsse für die Instandhaltung der Museen Haus Lange und Haus Esters, das historische Tor der Mennoniten-Kirch-Straße, der Kammermusiksaal der Musikschule, die Brücke am Voltaplatz.

 


 

04.08.2015

Der neue Rangshof an der Inrather Straße ist nach einem Jahr Sanierungsarbeiten bezugsfertig. Der neue Eigentümer Gregor Gerhard verfügt jetzt über rund 500  Quadratmeter Wohnfläche in vier Wohnungen. Zwei Wohnungen will er vermieten. Architektin war die Krefelderin Katharina Kulla.                                                                                                                               Foto: E. Traxler


01.08.2015 

Alte Feuerwache als Dreh- und Angelpunkt

Viel Entwicklungspotential im Viertel rund um die Florastraße – Bürgerverein will Diskussion mit den Menschen

 

© Von Egon Traxler

 

Einen traditionellen Namen hat das Viertel zwischen Sprödental-, Uerdinger-, Oppumer- und Viktoriastraße nicht. Amtlich gehört es zum Stadtbezirk Mitte, im Osten grenzt es an Bockum und Oppum. Im Gegensatz zum nördlichen Nachbarn Cracau haben hier architektonische Highlights eher Seltenheitswert, von St. Elisabeth und der alten Feuerwache an der Florastaße abgesehen.

 

Gerade letztere aber könnte nach dem Umzug der Berufsfeuerwehr im Frühjahr Mittelpunkt einer interessanten städtebaulichen Entwicklung in den nächsten Jahren werden. Ähnlich dem Projekt alte Samtweberei an der Lewerentzstraße könnte der denkmalgeschützte Komplex dabei Dreh- und Angelpunkt für eine sozio-kulturellen Entwicklung für das Viertel werden.

 

Erbaut wurde die Feuerwach1908/09 nach Plänen des Architekten Ernst Scholze als dreigeschossiger Backsteinbau. Damals galt er als eine der modernsten Feuerwachen in Deutschland und war Ausdruck der Finanzkraft der Stadt. Unter Denkmalschutz stehen die Gebäude Florastraße 58/66.

 

Wichtig für junge Familien ist die neue Kita in der Nachbarschaft, Florastraße 19. In Betrieb ist sie seit Februar 2014. Errichtet wurde sie für 2,2 Millionen Euro in dem seit über 20 Jahren leerstehenden Grundschulgebäude, das zuvor eine Textilfabrik beherbergte. 85 Kinder werden dort betreut, davon 23 unter drei Jahren. Hinter dem Gebäude erstreckt sich über rund 1200 Quadratmeter eine großzügige und grüne Außenanlage. Eine weitere städtische Kita liegt ebenfalls nur rund 300 Meter von der Feuerwache entfernt an der Viktoriastraße.

 

Geklärt ist seit dem Frühjahr auch das Schicksal der beiden Hochbunker im Viertel. Die beiden Massive an der Oppumer-/Viktoriastraße und der Freiligrathstraße sind verkauft. Ein Krefelder Architekt hat sie von der Bundesimmobilienagentur (Bima) erworben..Der Architekt versicherte gegenüber der WZ, dass die Proberäume für die rund 20 Bands an der Oppumer Straße eiterhin zur Verfügung stehen. Viele Bands haben dort den Grundstein für ihre Karriere gelegt. Prominentes Beispiel: sind Blind Guardian, die hier in den 80er Jahren als Lucifer’s Heritage begonnen haben und heute weltberühmt sind.

 

Die städtische Wohnstätte (WSK) will sich auf dem mehr als 6000 Quadratmeter umfassenden Areal der ehemaligen Papiersackfabrik Erwin Behn zwischen Viktoria-, Hardenberg-, Dießemer- und Blücherstraße engagieren. Die Fabrik wurde im ersten Weltkrieg gegründet und 1996 in Teilen an die Magdeburger Straße verlegt. Firmengründer Erwin Behn verstarb 1959 im Alter von 68 Jahren. In unmittelbarer Nachbarschaft hat die WSK erst kürzlich 66 Wohnungen für rund 14 Millionen Euro auf dem ehemaligen Nappo-Gelände an der Hardenbergstraße gebaut.

 

Derzeit will sich WSK-Chef Thomas Siegert nicht zu den künftigen Projekten rund um Feierwache und Behn äußern. Er verweist auf laufende Gespräche mit den zuständigen Gremien der Stadt. Siegert kündigt an, dass die Stadt für die mehr als 6000 Quadratmeter große Fläche an der Florastraße einen Bebauungsplan erarbeiten und einen städtebaulichen Wettbewerb für die alte Feuerwache ausschreiben will. Siegert deutet aber an, dass sich die Wohnstätte dafür interessiert.

 

Manfred Grünwald, Vorsitzender des Bürgervereins Ost und der neue Chef der Arbeitsgemeinschaft der Krefelder Bürgervereine, schaut optimistisch auf die künftige Entwicklung des Viertels. Aber: „Wichtig für die weitere Entwicklung ist, dass die Bürger mit ihren Ideen bei den künftigen Planungen mitgenommen und beteiligt werden.“ Architektonische Leuchttürme seien schön und interessant, müssten aber mit Leben gefüllt werden, unterstreicht Grünwald. „Deshalb müssen Ideen und Investment aufeinander zugehen.“

 

 

 


01.08.2015

Hilfe, die auch die Helfer bereichert

Erster VHS-Kurs für ehrenamtliche Deutsch-Lehrer für erwachsene Asylsuchende ist gestartet

 

© Von Egon Traxler

 

16 Menschen, vorwiegend weiblich, haben sich am sonnigen Samstag auf erneut die harte Schulbank gesetzt. Sieben Stunden lang dauert in der VHS-Dependance an der Gartenstraße der Kurs mit einer Einführung in den „Interkultureller Kompetenzerwerb“. Von Montag bis Mittwoch geht es mit Abendkursen weiter. Der Kreis will sich ehrenamtlich in die Betreuung von Asylsuchenden einschalten und künftig Deutsch für erwachsene Flüchtlinge unterrichten.

Im Gegensatz zu Kindern und jugendlichen Asylbewerbern haben Erwachsene nämlich keinen Anspruch auf Sprachförderung. „Dabei ist Sprache das Allerwichtigste, um sich in eine Gesellschaft integrieren zu können“, stellt Ina Hünicke fest, die bereits aktiv in der Unterkunft an der Westparkstraße ist. Allerdings beklagt die Sozialpädagogin, dass im früheren Seniorenwohnheim keine Unterrichtsräume dafür vorhanden sind. Sie müsse mit ihren Schülern, die sie einmal wöchentlich unterrichtet, zur Gemeinde Thomas-Morus oder zum Berufskolleg Vera Beckers ausweichen.

Ebenfalls an der Westparkstraße ist Doris Garth aktiv. Die Rentnerin hilft dort bei der Hausaufgabenbetreuung. Sie nimmt am VHS-Kurs teil, weil die gelernte Betriebswirtin hier Gleichgesinnte trifft, mit denen sie sich austauschen kann. Aber auch sie weist auf einen generellen Mangel in der Flüchtlingsarbeit in Krefeld hin. „Es gibt viele Angebote, von den Kirchen, den Wohlfahrtsverbänden, Vereinen und anderen. Was fehlt, ist ein Mensch, der das alles koordiniert. Eine solche Stelle hat die Verwaltung ja versprochen, aber bisher nicht eingerichtet.“

Karin Mast hat zwei Flüchtlinge als Mieterinnen bei sich in Oppum aufgenommen. Die beiden Frauen kommen aus Eritrea und Guinea und sprechen beide so gut wie kein Deutsch. Die Jazz-Sängerin („Blue Karma“) und Sprecherin will sich mit Hilfe der VHS „qualifizieren, damit ich die Sprache künftig besser vermitteln kann.“

„Total viel Freude“ empfindet Astrid Holmer aus Kempen, seit anderthalb Jahren in Krefeld in der Betreuung von Asylsuchenden tätig. Für die Freie Evangelische Gemeinde in der Oelschlägerstraße gibt die Wirtschafts-Ingenieurin bereits Deutsch-Kurse. Mit der Hilfe der VHS will sie „weiterlernen, sich vernetzen“ und erwartet von den Teilnehmern Tipps über den Sprachunterricht hinaus. Das betreffe Behördengänge oder Fragen der beruflichen Bildung für Flüchtlinge. „Für mich sind das interessante Aufgaben, die mich sehr bereichern.“

Einer von zwei männlichen Kursteilnehmern ist Paul Keller. Der pensionierte Realschullehrer (Albert-Schweitzer-Schule) geht selbst wieder zur Schule, weil die Zahl der Flüchtlinge steigt und „eigentlich jeder aufgerufen ist, ihnen zu helfen.“ Und Sprache sei der Schlüssel für das Kennenlernen eines fremden Landes und seiner Menschen.

 

Tatiana Ramos-Hupe und Gudrun Tiefers-Sahafi als Kursleiterinnen ziehen ein knappes Fazit des ersten Tages: „Alle waren hoch motiviert, diskussionsfreudig und sehr am Erfahrungsaustausch interessiert.“


27.07.2015 

Das wären die Folgen eines Grexit

 

Ernst & Young, eine der führenden US-aerikanischen Unternehmensberatungen, erstellte im Juli 2015 zusammen mit Oxford Economics eine schockierende Untersuchung über die Folgen, die eine Rückkehr zur Drachme für die griechische Gesellschaft haben würde. Hier einige Auszüge aus der Untersuchung:

 

·         Die Banken würden für Monate geschlossen bleiben, bis die neue Währung ausgegeben wird.

 

·         Abwertung der neuen Währung um 50 Prozent

 

·         Rationierung von Importwaren

 

Folgen der Rückkehr Griechenlands zur Drachme

 

  • Rückgang der Inlandsnachfrage wird 25 Prozent erreichen.
  • Für das Brutto-Inlands-Produkt (BIP) wird veranschlagt, dass es um 15 bis 20 Prozent zurückgehen würde, im Vergleich zum Jahr 2008 sogar rund 50 Prozent.
  • Es würde eine hohe Inflation verzeichnet werden, während die Arbeitslosigkeit wenigstens 30 Prozent betragen würde.
  • Für das Pro-Kopf-BIP wird veranschlagt, dass es auf 11.000 Euro fallen würde, gegenüber 17.000 Euro, die es im Jahr 2014 betrug.
  • Es würde einen Rückgang der Löhne, Kreditvergaben und Investitionen geben. Die verfügbaren Einkommen der Haushalte würde besonders die Bevölkerung mit einem niedrigen Einkommen sinken.
  • Es würde einen großen Anstieg bei den Preisen importierter Produkte geben, die zu Rationierungen von wichtigen Gütern wie Treibstoffe, Lebensmittel, Medikamente führen.
  • Für die Banken würde es eine sehr große Reduzierung der Kredite bedeuten. Die Investitionen würden in den beiden ersten Jahren um ungefähr 30 Prozent zurückgehen und vor dem Ende des dritten Jahres (ab dem Ausscheiden aus dem Euro) wird nicht mit einem Anstieg gerechnet.
  • Eine Stärkung beim Tourismus bleibt fraglich. Und dies, weil die Touristen wegen des Fehlens von Basisprodukten (Rationierungen) nicht ausreichend versorgt  werden könnten.

 

Vergleich mit Argentinien liegt außerhalb der Realität

Die Ernst & Young schätzt ein, dass jeder mit dem Bankrott Argentiniens erfolgende Vergleich außerhalb der Realität liegt, da es sich bei Argentinien um ein Land mit einem besonderen Reichtum an Rohstoffen handelt. Trotz allem stieg in Argentinien innerhalb eines Jahres der Anteil der Einwohner, die unter dem Armutsniveau lebten, von 30 – 35 Prozent auf 53 Prozent an.

 

Ernst & Young (EY) ist ein global operierendes Netzwerk rechtlich selbständiger und unabhängiger Unternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmens- bzw. Managementberatung. EY gehört zu den Big Four — den vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Gruppe beschäftigte im Jahr 2014 über 190.000 Mitarbeiter an 700 Standorten in 150 Ländern. Der Firma wird vorgeworfen, der Investmentbank Lehman Brothers mit Bilanztricks geholfen zu haben, das Ausmaß der wahren Verschuldung zu verschleiern. Die US-Justiz fordert nicht nur die mehr als 150 Millionen US-Dollar an Gebühren zurück, die Ernst & Young in den Jahren 2001 bis 2008 für die Prüfung der Lehman-Bücher kassiert hatte, sondern will zudem den Schaden eintreiben, der den Investoren entstanden ist, als die Bank im September 2008 pleite ging

 

Hier der Link zur deutschen Übersetzung der Studie:

 

http://www.griechenland-blog.gr/2015/07/wie-griechenland-mit-der-rueckkehr-zur-drachme-sein-wuerde/2135624/

 


26.07.2015

Beleuchtung für die Jugenstil-Malereien

Pavillon-Renovierung im Stadtgarten kurz vor dem Abschluss - Demnächst gibt es dort eín großes Fest

 

 © Von Egon Traxler

 

Manfred Stein und Wolfgang Schmölders von den „Stadtgartenfreunden“ freuen sich richtig. Ein zentrales Projekt für die Initiative nimmt mehr und mehr Gestalt an. Am Samstag hat Architekt Klaus Reymann zum „Tag des offenen Pavillons“ geladen und trotz des stürmischen Wetters kommen zahlreiche Interessierte zum Musikpavillon im Stadtgarten, unter ihnen auch OB-Kandidat Frank Meyer (SPD) und dessen Parteifreund und Bezirksvorsteher Klaus Menzer.

 

Der Architekt ist besonders stolz auf die freigelegten Deckenmalereien und den wieder hergestellten Terrazzoboden. „Der Pavillon entstand 1892, im angehenden Jugendstil und zu Ende gehenden Klassizismus“. erläutert Reymann. Es ist ein offenes Oktogon mit gusseisernen Säulen, einer dazwischen gespannten Gitterbalustrade und einer gestuften, hölzernen Zeltdachkonstruktion, die mit Zinkblech eingedeckt ist. Er steht jetzt wieder auf einem gestuften Sockel mit Putzquaderung, der in seinen Dimensionen den Stellungen der Stahlstützen entspricht.

 

Die Handwerker haben auch die ursprünglichen Dimensionen wieder hergestellt. Das umlaufende Gitter und die gusseisernen Pfeiler des Oktogons haben wieder ihre alten Positionen erhalten. „Es mag in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts gewesen sein, da wurde der Pavillon umgebaut und die Grundfläche erweitert, um mehr Platz für die Musikgruppen der dort stattfindenden `Wandelkonzerte` zu erhalten“, hat uns WZ-Leser Rolf-Bernd Hechler dazu mitgeteilt.

 

„Ungefähr 15 alte Farbschichten“ musste Sven Wiebusch von der Krefelder Malerfirma Dohmen abstrahlen, um den acht gußeisernen Säulen einen neuen, anthrazitfarbenen Anstrich zu verpassen. Auch die Umlaufgitter sind bereits neu grundiert und werden den selben Farbton erhalten. Ein weiteres Kleinod ist der freigelegte Terrazzoboden, der vorher von einer fast zwanzig Zentimeter dicken Betonschicht und Kunststoffplatten bedeckt war. Die Mitarbeiter der Firma Cancian aus Viersen haben Meisterliches auf den rund 28 Quadratmetern vollbracht. Der vorher sehr stark von Frost und Beton lädierte Boden strahlt und nur der Zeigefinger von Reymann hilft dabei, die erneuerten Stellen zu erkennen. .

 

Noch fehlt die Rundumerneuerung der Jugendstil-Deckenmalerei, für die aber bereits Schablonen bereitliegen. Dazu kommt ebenfalls unter der Decke die Beleuchtung. „Die wird später an die Straßenbeleuchtung angeschlossen und ist damit auch Nachts in Betrieb“, sagt Reymann. Die Denkmalstiftung, der der Architekt vorsteht, hat bislang rund 28 000 Euro an Stiftungsgeldfern für die Renovierung bereitgestellt. „Geplant waren ursprünglich 10 000, aber es haben sich eine Reihe von Dingen ergeben, die wir vorher nicht kalkulieren konnten. Aber das lohnt sich in jedem Falle.“

 

Manfred Stein und Wolfgang Schmölders finden das auch und kündigen an. „Wenn die gesamte Renovierung des Stadtgartens abgeschlossen ist, wollen wir mit dem Bürgerverein und der Bezirksvertretung ein richtig schönes Fest auf die Beine stellen. Darauf haben wir schon einige Jahre gewartet und fleißig Spenden dafür gesammelt.“ Insgesamt werden die Kosten für den Pavillon auf rund 75 000 Euro geschätzt.   Spenden nimmt die auch die Sparkasse Krefeld entgegen: IBAN DE 96360500000000040030

  

Ausschnitt der Deckenmalerei    

 

 


 

Ein Facebook-Eintrag von Phil Sebastian

Ein Gespräch mit einem syrischen Bewohner eines Flüchtlingscontainers

 

Ich muss mal kurz was loswerden, weils mich sehr mitgenommen hat und mich ehrlich gesagt schon sehr belastet. Ich arbeite mit meinem Betrieb des öfteren für ein große Weilheimer Firma auf deren Parkplatz Übergangscontainer für Flüchtlinge stehen. Jedesmal wenn ich da bin kommt ein Syrer zu mir weil er immer Zigaretten von mir schnorrt und letztens sind wir ein bisschen länger gesessen und haben uns unterhalten.

 

Ich wollte wissen wie er hergekommen ist, ob er auch auf einem der Boote war und er hat mir dann seine Geschichte erzählt die mich mehr als schockiert hat. Er lebte mit seiner Frau und seinen 3 Kindern in Syrien bis seine Frau und sein ältester Sohn vor seinen und den Augen seiner Kinder auf offener Straße erschossen wurde. Er hat dann alles was er an Besitz hatte verkauft um irgendwie auf eins der Flüchtlingsboote zu gelangen was er auch schaffte.

 

Auf der Überfahrt nach Europa wurde seine zweijährige Tochter (so alt wie meine Tochter) einfach ins Meer geschmissen da sie zu laut geweint hat und die Menschen Angst hatten das sie entdeckt werden. Seine kleine Tochter ist ertrunken… Er und seine zweite Tochter haben es bis nach Deutschland geschafft, Leider weiß er immer noch nicht ,wo sie ist ,da sie in unterschiedlichen Flüchtlingslagern untergebracht wurden. Man kann sich nicht vorstellen, was dieser Mann, der weinend vor mir stand, durchgemacht hat.

 

Uns allen geht es gut, wir haben fließend Wasser, Strom, Heizung und wirklich keiner muss hier auf irgendwas verzichten. Es macht mich echt traurig wenn ich dann Kommentare von Leuten lese die sich beschweren, dass diese Menschen ein Handy und Kleidung gestellt kriegen. Sich beschweren das Ihre Kinder den Schulsport nicht wie gewohnt in Ihrer Turnhalle ausüben können da diese für Flüchtlinge bereit gestellt wurden usw. usw.

Es ist wirklich schockierend was manche Menschen von sich geben ohne auch nur im geringsten zu wissen was diese Menschen erlebt haben. Menschen! Ja Menschen so wie du und ich…
Wir können alle froh sein das wir nicht in dieser Situation sind und Glück hatten dass wir nicht in einem Land geboren wurden in dem die Menschen mit unseren Waffen getötet werden.

 

Vielleicht denkt Ihr mal drüber nach und schaut mal hinter den Vorhang und versucht euch mal in die Lage zu versetzen bevor ihr sinnfrei eure neidigen Hassparolen gegen Menschen schürt, die wirklich Hilfe brauchen!

Phil Sebastian


Flüchtlingsrat stützt Frank Meyer (SPD)

Koordinator , bessere Sozialbetreuung und dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen

 

,,Dezentrale Unterbringung, bessere Sozialbetreuung und Unterstützung des Ehrenamtes bleiben das Gebot der Stunde angesichts zunehmender Flüchtlingszuweisungen“ stellt Christoph Bönders vom Vorstand des Flüchtlingsrates fest. Auch die Forderung von Bürgermeister Frank Meyer (SPD), das Amt eines städtischen Flüchtlingsbeauftragten in der Stadtverwaltung nach dem Vorbild der Stadt Düsseldorf einzurichten, sei angesichts der aktuellen Entwicklungen richtig und dringend notwendig stellt Bönders zu jüngsten Forderungen des Bürgermeisters fest.

 

„Lediglich drei Sozialarbeiter für 1500 Flüchtlinge und die damit einhergehende völlig unzureichende Beratung und Betreuung von zum Teil schwer traumatisierten Menschen, Unterbringung in Turnhallen, in denen diesen Schutz suchenden Menschen keine Privatsphäre ermöglicht wird sowie eine nach wie vor fehlende Würdigung ehrenamtlicher Tätigkeit durch städtische Mitarbeiter sind Tatbestände, die dringend geändert werden müssen“, fordert Bönders Die Einrichtung einer neuen Stelle des Flüchtlingskoordinators bei der Stadt Krefeld könne bei der Behebung dieser Missstände eine große Hilfe sein.

 

Der Flüchtlingsrat versteht sich als Lobby der in Krefeld lebenden Flüchtlinge. ,,Angesichts weiterhin zunehmender Kriege und Konflikte und den damit einhergehenden Vertreibungen in einem nach dem 2. Weltkrieg nie gekanntem Ausmaße bleiben alle Krefelder und Krefelderinnen aufgefordert, den in unserer Stadt Schutz und Hilfe suchenden Menschen zu helfen und allen fremdenfeindlichen Bestrebungen entgegenzutreten", appelliert Bönders abschließend.


Das wirkliche Griechenland 

Ein journalistischer Leuchtturm im Gekreische um Griechenland. Kühl und leidenschaftlich, selbstkritisch und eingänglich analytisch. Wer die Griechen verstehen will, muss das hier lesen:

 

http://www.zeit.de/2015/29/griechenland-europa-amorgos-sparpolitik

 

 

 

 

 

17. Juli 2015

Kurs für ehrenamtliche Deutsch-Lehrer
Neues Angebot der Volkshochschule trägt den steigenden Flüchtlingszahlen Rechnung

© Von Egon Traxler

Am 1. August startet an der Volkshochschule eine völlig neue Unterrichtsreihe. „Ehrenamtliche Deutsch-Lehrer für Flüchtlinge“ sollen hier für ihre künftige Tätigkeit fortgebildet werden. Am    Samstag, 1. August um 10 Uhr beginnt der Kurs mit einer Einführung in den „Interkultureller     Kompetenzerwerb“. Dabei werden Grundlagen der interkulturellen Kommunikation für Ehrenamtliche, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind und erwachsene Flüchtlinge beim Spracherwerb unterstützen möchten, vermittelt.

Mit diesem Angebot stellt sich die VHS in die Reihe der Akteure in der Aktion „Krefelder Perspektivwechsel“ des  Stadtmarketings. Damit zeigen die Krefelder deutlich, dass Toleranz nicht bloß historische Wurzeln in dieser Stadt hat, sondern tatsächlich auch in der Gegenwart gelebte Haltung ist. Mit den Flüchtlingszahlen wächst auch in Krefeld die Zahl der Menschen, die Flüchtlinge willkommen heißen und sie ehrenamtlich begleiten und unterstützen möchten. Dem trägt die VHS Rechnung.

Doris Schlimnat, stellvertretende VHS-Direktorin, betont bei diesem Projekt: „Ganz ohne professionelle Begleitung und Unterstützung kann gut gemeintes Engagement im sozialen Bereich aber auch schnell missglücken.“ Wenn aus fehlendem interkulturellem Verständnis oder aus Unkenntnis der didaktischen Besonderheiten des Deutsch-als-Fremdsprachen-Unterrichts Enttäuschungen über ´undankbare´ Reaktionen entstehen, könnten sich Vorurteile verfestigen und sich Willkommenskultur ins Gegenteil verkehren, sagt Schlimnat. .

Als Expertin für den Bereich Deutsch als Fremdsprache möchte die VHS in Kooperation mit dem Flüchtlingsrat, dem städtischen Fachbereich Soziales, dem katholischen Forum, dem Freiwilligenzentrum und den Migrationsberatungsstellen Interessenten, die im Bereich der Flüchtlingsbetreuung bereits aktiv sind oder es werden möchten, qualifizieren und begleiten. Die Qualifizierung wird von dem Unternehmen Currenta finanziell mit einer Spende unterstützt. Weitere Termine für diese Fortbildung sind vom 3. bis 5. August jeweils von 18 bis 21.15 Uhr.  
 

 


 

4.7.2015 

Café „Sarah“ als Ort des Wohlwollens

Einmal wöchentlich öffnet sich an der Corneliusstraße die Türe der Bürgerinitiative Rund um St. Josef für Flüchtlinge

 

© Von Egon Traxler

 

Sedig Adam ist erst 20 Jahre alt, hat aber schon mehr durchgemacht, als manch betagter Mensch sich vorstellen kann. Acht Monate war er auf der Flucht durch Wüsten und Meere, ehe er nach über fünftausend Kilometern aus seinem Dorf im Sudan hier in Krefeld ankam. Sedig ist einer von vielen Menschen aus fernen Ländern, die hier heimisch werden möchten. Er hat in Afrika seine Familie mit sieben Geschwistern zurückgelassen. Seit Monaten wartet er auf seine Anerkennung als Flüchtling. Jeweils am Mittwochabend besucht er das Flüchtlingscafe „Sarah“  in den Räumen der Bürgerinitiative (BI) Rund um St. Josef an der Corneliusstraße.

 

„Ich will meine Sprache verbessern und finde hier viele Freunde und Abwechslung“, sagt der junge Schwarzafrikaner. Der fünf Jahre ältere Sayed Habibi ist vor den Taliban aus seiner Heimat Afghanistan geflohen. Auch er wartet schon seit zehn Monaten auf seine Anerkennung. Zu viert bewohnt er ein Behelfszimmer in der früheren Don-Bosco-Schule an der Kölner Straße. Beide sprechen schon leidlich gut Deutsch. Sayed, so sagt er, findet an der Corneliusstraße immer ein offenes Ohr, Verständnis für seine Lage und aufgeschlossene Menschen, die Zeit für ihn haben.

 

„Dabei ist unser Angebot bei Weitem keine Einbahnstraße“, sagt Joachim Watzlawik, der zu den Initiatoren dieses Projekts gehört. „Auch wir lernen in diesem Café eine ganze Menge.“ Sein Sohn Jan (23) bestätigt das. Der angehende Sozialpädagoge gehört wie Sylvia Esters zum rund zehnköpfigen Betreuerteam bei der BI. „Ich mache hier ganz unterschiedliche Erfahrungen“, sagt er. Letztlich käme jeder der Gäste mit anderen Erwartungen und bei einer durchschnittlichen Besucherfrequenz von 30 bis 40 sei das manchmal auch „ganz schön stressig.“

 

Sein Vater sagt mit Blick auf die Tristesse für die Bewohner der benachbarten Turnhalle an der Lindenstraße, dass mit dem Cafe ein Ort des Wohlwollens geschaffen werden sollte. „Was diese Menschen hier brauchen, ist Verständnis, Vertrauen, Hilfe und soziale Kontakte“. Im Cafe wird gekocht, Musik gemacht, getanzt, gespielt und vor allem viel gesprochen. „Wir bieten Sprachkurse an, Tanztherapie, mehrsprachige ärztliche Betreuung und rechtliche Kompetenz“, zählt Watzlawik auf. Das richtet sich sowohl an Erwachsene wie jugendliche Flüchtlinge und Asylsuchende.

 

Auf den Namen „Sarah“ für das Cafe sei er über die gleichnamige Schülerin am Uerdinger Gymnasium Fabritianum gekommen, die er dort als Sozialpädagoge betreut. Sarah ist mit ihren Eltern vor fünf Jahren aus Babylon im  Irak über Syrien nach Krefeld gekommen. „Auf den Namen sind wir gekommen, weil Sarah als ein Beispiel für gelungene Integration steht“, erklärt Watzlawik.

 

„Wir wollen unser Angebot weiterführen und ausbauen“, kündigt der 60 Jahre alte Kultur- und Integrationsarbeiter an. „Dafür brauchen wir noch mehr ehrenamtliche Mitarbeiter“. Wer mitmachen will, könne sich gerne bei der Bürgerinitiative melden. Telefon: 021 51-84 38 40/41.


 

"Halbzeit“ bei  Neugestaltung des Stadtgartens

  © Von Egon Traxler

Ende September soll mit einem „Parkfest“ die offizielle Neueröffnung der Grünanlage gefeiert werden

 

Der Autor am Musikpavillon.                       Foto: Dirk Jochmann (WZ)

  

2015 – 201 Jahre nach seiner Entstehung – wird der denkmalgeschützte Stadtgarten grundlegend saniert. „Wir sind sowohl im Zeitplan, als auch im vorgesehenen Kostenrahmen“, stellt der Interimschef des städtischen Fachbereichs Grünflächen, Heino Thies, fest. Etwa zur „Halbzeit“ der Umgestaltung – begonnen wurde im Februar - bestimmen zwar noch Sand- und Erdgebirge und Baumaschinen das Bild, es sind jedoch schon deutliche Konturen erkennbar. Landschaftsarchitektin Ina Bimberg hat sich dabei an den historischen Grundlagen orientiert, die sie mit modernen Nutzungsvorstellungen der Besucher verknüpfte.

 

Grundlage für die Planung waren zwei Workshops, in der alle interessierten Bürger, ihre Vorstellungen einbringen konnten. Die Architektin will „die Entwicklung eines zeitgemäßen Parkbildes mit klaren Gestaltungsbezügen zur Vergangenheit des Stadtgartens und Schaffung prägnanter Parkbereiche mit unterschiedlichen Funktionen und Stimmungen“ erreichen. 80 Prozent der Kosten von rund 1,1 Millionen Euro wird aus dem Topf des Modernisierungskonzepts „Stadtumbau West“ aus Landes- und Bundesmitteln getragen.

 

Deutlich zu sehen ist bereits die rund 300 Meter lange Nord-Süd- und die West-Ost-Achse. Sie werden mit einem Asphalt-Feinsplitt-Belag versehen, der in seiner Endfarbe in beige zu sehen sein wird. Noch fehlen die Deckschichten der Hauptachsen. Die Diagonalachsen, erläutert der städtische Oberbauleiter Norbert Mosters, werden im selben Farbton eine wassergebundene Wegedecke erhalten. Der Parkplatz gegenüber dem Amtsgericht wird ebenfalls asphaltiert. Deutlich aufgewertet wird der dort liegende Zugang zum Park. Stabile Bänke aus Stahl und Holz und andere Sitzgelegenheiten mit einer Pergola sind weitgehend fertig.

 

Von dort aus mündet die Achse in das Rondell am Springbrunnen. Die vier behindertengerechten Bänke auf Pflasterflächen rücken jetzt deutlich näher an die Wasserfläche als bisher. Ebenfalls im Endstadium ist die Restaurierung des 28 Quadratmeter großen Musikpavillons (WZ berichtete). Im Eingangsbereich im Süden sind ebenfalls viele Bänke und Sitzgelegenheiten bereits fertig. Künftig wird der Eingang durch die historische Toranlage führen. Auf dem ehemaligen Spielplatz wurde ein rund 60 Quadratmeter großer Bouleplatz angelegt. Der Spielplatz wurde in den ruhigen, nordwestlichen Bereich verlegt. Die drei Spielbereiche (Sand, Kies, Rasen) einschließlich der Spielgeräte sind bereits fertig und müssen nur noch abgenommen werden. Auch dort gibt es ausreichend Sitzgelegenheiten und Fahrradständer.

 

Für die Bepflanzung sieht sah Ina Bimberg vor allem die „Entbuschung“ des Geländes vor, die im Februar vollzogen wurde. Anstelle der überwucherten Hecken und Büsche sollen eine Blumenwiesen und Frühjahrsblüher in den Parkrändern und unter den großen alten Bäumen, kniehohe Eibenhecken als Rahmen und Schutz der Denkmäler sowie Spiel- und Liegewiesen in der westlichen Parkhälfte entstehen. Die Bepflanzung erfolgt jedoch erst im kommenden Herbst. Die verbliebenen Grabmale im südlichen Teil (siehe Info-Box) sind nicht Teil der Umgestaltung. Ihre Renovierung soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen. „Fertig sind wir mit allen Arbeiten Ende September“, kündigt Mosters an. Und Thies erwartet dazu ein „Parkfest von Bürgerverein, Bezirksvertretung, Villa K., den Stadtgartenfreunden und vielleicht der Schule an der Prinz-Ferdinand-Straße.“

 

 

Einst war es ein Friedhof:

Der Stadtgarten mit einer Fläche von 4,4 Hektar entstand im südlichen Bereich im Jahr 1814 als Friedhof vor der Stadt, da aus seuchenhygienischen Gründen die innerstädtischen Friedhöfe aufgegeben werden mussten. Schon bald nach seiner Einweihung stellte sich heraus, dass er für die rasch wachsende Stadt zu klein dimensioniert war. 1867 stellte man die Beerdigungen ein. Bereits am 1. Mai 1879 genehmigte der Stadtrat den Umbau zur öffentlichen Parkanlage. Heute noch zeugen die sieben Grabmale Krefelder Familien von der Vergangenheit. Sie tragen u.a. die Namen der Seidenfabrikanten Heydweiller und von Loewenich, des Forstwaldgründers Schumacher, des Komponisten Carl Wilhelm („Die Wacht am Rhein“), Pfarrer Heilmann und das Denkmal für die gefallenen 97 Krefelder Söldner in Napoleons Diensten. Neben den Linden sind noch 42 weitere Baumarten (u.a. Urwelt-Mammut-, Taschentuch-, Götterbaum) vertreten. Aus Krankheitsgründen mussten drei Kastanien gefällt werden. 1998 wurde der Park wegen seiner geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt.


 

 

Der schwarze und der weiße Faden

Ramadan - Für die gläubigen Muslime  eine Zeit der Reinigung, Läuterung und Barmherzigkeit

 

 © Von Egon Traxler

 

Wenn beim Sonnenaufgang genau um 05:12 Uhr ein schwarzer von einem weißen Faden unterschieden werden kann, beginnen für die rund 20 000 gläubigen Muslime in Krefeld harte Zeiten: Ramadan, 30 Tage Fasten. „Es dient der Reinigung, Läuterung und der Barmherzigkeit“, erklärt Mesut Akdeniz, gläubiger Moslem und Vorsitzender der Union türkischer und islamischen Vereine, die Dachorganisation von 15 Vereinen mit etwa 15 000 Mitgliedern in Krefeld und Umgebung. Am Ende der Fastentage, gegen 22 Uhr treffen sich die Muslime zum Fastenbrechen, dem Iftar.

 

Ramadan (18. Juni bis 16. Juli) ist ein Monat, in dem Gott zum Menschen spricht. Das Fasten im Monat Ramadan stellt eine der fünf Säulen des Islams dar. Sie gehört zu den Hauptpflichten die ein Muslim als Gottesdienst durchführt. Im Gegensatz zu den anderen Religionen ist das Fasten der Muslime auf den ganzen Tag verteilt. Es darf von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nicht gegessen und nicht getrunken werden. Aber das Fasten beschränkt sich nicht nur auf diese äußeren Pflichten, er hat euch eine „innere“ Dimension: Der Muslim soll sich demnach gänzlich von Sünden befreien, nichts Schlechtes reden und tun. Auch Rauchen oder Sex ist in dieser Zeit nicht erlaubt.

 

Die Fastenpflicht für Muslime beginnt mit der Pubertät. Ausgenommen sind jedoch Kinder, Reisende sowie alte und kranke Menschen. Auch Schwangere und stillende Frauen sind unter der Voraussetzung des Nachfastens befreit. Das heißt, die verpassten Fastentage müssen später nachgeholt oder mit einer „Fastensteuer“ abgegolten werden. „Aber das hat nichts mit arm oder reich zu tun“, betont der Unions-Vorsitzende. „Niemand wird dazu gezwungen“, stellt Akdeniz fest, „aber für gläubige Muslime ist das ein Teil des Lebens. Auch wenn die ersten Fastentage hart sind.“ Nach dem Ramadan stelle sich ein Gefühl ein, als „sei man näher an Gott, stelle man sich neue Vorsätze.“ Selbstbeherrschung, Geduld und Standfestigkeit seien dazu notwendig.

 

Zum Ende der Fastenzeit, in diesem Jahr vom 17. bis 19. Juli, feiern die Muslime das Ramadanfest (Id al-Fitr),   das Fastenbrechen. Das Fest beginnt mit dem Gemeinschaftsgebet und dem Entrichten der Almosen an bedürftige Menschen. Es verläuft in einer fröhlichen und festlichen Stimmung über drei Tage. Es ist vergleichbar dem Weihnachtsfest der Christen. Nach dem Opferfest (vergleichbar Ostern) ist das Fastenbrechen das zweithöchste Fest der Muslime. Die sich jährlich veränderten Ramadan-Zeiträume erklären sich aus den unterschiedlichen Zeitrechnungen. Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond und ist um zehn Tage kürzer als der Gregorianische. Das heisst, jedes Jahr rückt die Fastenzeit um neun Tage Richtung Jahresbeginn.

 

Seinen Anfang markiert der Aufgang der neuen Mondsichel. Das Datum wird häufig auch als "Geburt des neuen Mondes" bezeichnet. Das Fasten beginnt exakt nach Minuten festgelegt in der Morgendämmerung, ab dem Frühlicht, vor dem sogenannten Fadjr-Gebet und endet mit dem Sonnenuntergang, dem Beginn des Magreb-Gebetes.

 

Koran: Sure 2, Vers 185

„ Wer von euch aber krank oder auf Reisen ist, (der faste) an ebenso vielen anderen Tagen; und für jene, die es schwerlich bestehen würden, ist eine Ablösung: Speisung eines Armen. Und wer mit freiwilligem Gehorsam ein gutes Werk vollbringt, das ist noch besser für ihn. Und Fasten ist gut für euch, wenn ihr es begreift.“

 


 

20 neue Stolpersteine auf  Krefelds Straßen

Vor neun Jahren wurde mit einem der ersten Steine auf der Roßstrasse an die Jüdin Else Müller gedacht

 

 © Von Egon Traxler

 

Am Donnerstag, 11. Juni 2015 verlegte der Kölner Bildhauer Gunter Demnig weitere 20 Stolpersteine an insgesamt fünf Stellen in der Stadt. Bisher gab es 61 solcher Gedenksteine für Krefelder Opfer des Nazi-Terrors. Am 18. Dezember 2006, am 16. Februar 2007 und am 16. Dezember 2011 wurden sie von Demnig installiert. Durchgesetzt wurde diese Aktion gegen verschiedene Widerstände nicht zuletzt von Schülern und Lehrern der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule. Einer der ersten Steine davon war der  für Else Müller, geborene Coppel, an der Roßstraße 249. Die Jüdin starb am 1. Juni 1945 an ihrem 51. Geburtstag im KZ Theresienstadt.

 

Ihre Tochter Ilse ist heute 90 Jahre alt und ist wohl eine der letzten Überlebenden der 1944 zur Zwangsarbeit Deportierten. Die Familie Müller wurde in ihrem Haus an der Roßstrasse ausgebombt und zog in eine Behelfswohnung an die Uerdinger Parkstraße. Ilse Kassel-Müller wurde am 17. September 1944 mit dem letzten Juden-Transport gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer im sechsten Monat schwangeren Schwester Lore und deren Mann Werner Gabelin deportiert. Während Schwester und Schwager ins KZ Theresienstadt gebracht wurden, landete die damals 19jährige Ilse mit ihrer Mutter zunächst zur Zwangsarbeit in der NS-Organisation Todt in Zeitz in Sachsen-Anhalt. Der christliche Vater, der Elektromeister Fritz Müller, blieb mit dem damals zwei Jahre alten Richard Gabelin in Krefeld zurück.

 

Im Februar 1945 wurde auch ihre Mutter ins KZ Theresienstadt deportiert. Sie traf dort neben ihrer Tochter Lore und deren Mann auch ihren Bruder und ihre Stiefmutter. Lore gebar am 21. Dezember 1944 im KZ einen Jungen, Thomas Gabelin. Ilse Kassel: „Das war ein großes Wunder, denn noch eine Woche vorher wurden Mütter mit Kindern von dort in die Gaskammern ins Vernichtungslager Auschwitz geschickt.“

 

Else Müller wurde in Theresienstadt am 8. Mai 1945 von Truppen der Roten Sowjetarmee befreit. Allerdings hatte die Befreiung zur Folge, dass eine grassierende Typhus-Epidemie sich in der Folge rasch über das Lager hinaus ausbreitete. Man rief zu freiwilligen Helfern auf. Auch Else Müller meldete sich zur Pflege der Schwerkranken. Sie infizierte sich dabei und starb an der tückischen Krankheit. Sie starb an ihrem 51. Geburtstag, dem 1. Juni 1945. Ihr Leichnam wurde verbrannt, sie erhielt ein Urnengrab auf dem Ehrenfriedhof der tschechischen Nation in Theresienstadt. Seit Jahren erinnert ihre Tochter Ilse mit einer Traueranzeige in der WZ jeweils am 1. Juni an ihre Mutter.

 

Sie selbst wurde in Zeitz am 13. April 945 von der selben US-Einheit befreit, die auch die Tore des KZ Buchenwald geöffnet hatte. Sie brauchte mehrere Wochen, ehe sie sich per Fahrrad, Motorrad und mit Lkw-Mitfahrgelegenheiten wieder in ihre Heimatstadt durchschlagen konnte.

 

Ihr Vater Fritz Müller wurde nach dem Krieg rehabilitiert und betrieb ein Elektrogeschäft an der Kölner Straße 25. 19 Jahre lang war er als Obermeister für die Elektro-Innung tätig. Ihre Schwester Lore Gabelin und ihr Mann überlebten Theresienstadt. Ilse Müller heiratete 1957 Helmut Kassel, der Beamter bei der Verwaltung der Stadt war. Im selben Jahr übersiedelte das Paar zum Dahlerdyk, wo Ilse Kassel-Müller noch heute wohnt. Ihr Mann verstarb 1997.

 

 

 

 


 

 

 

11.06.2015

Musikpavillon strahlt nach Grundrenovierung

Stadtgarten: Mosaikfußboden und Jugendstilmalerei an der Decke von Architekt Reymann freigelegt

 

 © Von Egon Traxler

 

Am kommenden Samstag von 14 bis 17 Uhr kann der weitgehend renovierte Musikpavillon im Stadtgarten vom Publikum besichtigt werden. Architekt Klaus Reymann, unter dessen Regie die Runderneuerung stattfindet, hat dafür die „offene Baustelle“ proklamiert. Er selbst wird als sachkundiger Führer vertreten sein. Prunkstücke des 123 Jahre alten Denkmals sind der freigelegte Terrazzoboden und ein Teil der Decke, die mit Jugendstil-Malerei ausgeschmückt war.

 

Ziel der Renovierung im Zuge der Gesamterneuerung der Parkanlage zwischen dem Gericht am Nordwall und der St.-Anton-Straße war es, soweit wie möglich den Originalzustand herzustellen. Das war nicht leicht, wie Reymann feststellt. „Es war eigentlich mehr eine archäologische als architektonische Arbeit, die wir mit diesem Pavillon geleistet haben“, lächelt der Vorsitzende der Krefelder Denkmal-Stiftung. Die hat sich übrigens mit rund 10 000 Euro an dem Projekt beteiligt.

 

Klaus Reymann am Pavillon                       Foto: Dirk Jochmann (WZ)

 

 

Die klobigen Waschbeton-Platten, die nach dem Krieg installiert wurden, sind inzwischen entfernt. Der ursprüngliche Sockel strahlt klassisch weiß. Damit sind auch die ursprünglichen, feingliederigen Konturen wieder hergestellt. Auch das mehrfach übermalte Umlaufgitter ist noch entfernt. Es wird sandgestrahlt und in dunkelgrau statt bisher grün mit einer Spezialfarbe gestrichen und nächste Woche wieder eingebaut. “Die Haltbarkeit der Metallelemente ist jetzt besser als mit einer Verzinkung“, sagt Reymann. Die tragenden Säulen des Pavillons wurden derselben Behandlung unterzogen.

 

Freigelegt hat Reymann auch den Terrazzoboden mit 28 Quadratmetern, der bisher von 18 Zentimeter Beton und Kunststeinplatten bedeckt war. Sichtbar wurde ein Boden mit einer roten Umrandung und einem weiß-gelb-weißen Bändern aus Marmorsteinen und grauem Kalkstein in der Mitte. Reymann hat die Fläche in 76 Quadrate aufgeteilt, die Stück für Stück in den Originalzustand zurückgeführt werden. Frost- und andere Schäden werden mit einem Spezialspachtel behandelt und mit einer Politur in neuem Glanz erstrahlen. Über Spenden sollen die Kosten von rund 7 500 Euro dafür gedeckt werden.

 

Verzichten muss der Architekt vorerst auf die Freilegung der übermalten Decke unter dem erneuerten Dach. Darunter befinden sich Jugendstil-Malereien, die zumindest in Teilen wieder sichtbar gemacht werden. Dafür benötigt Reymann noch mal rund 7 500 Euro. Die gesamte Decke freizulegen, würde rund 25 000 Euro extra kosten. Reymann „Das müssen wir leider der Generation nach uns überlassen.“ Ohnehin hat sich das Kostenvolumen für den Pavillon von ursprünglich geplanten 30 000 bis 40 000 Euro fast verdoppelt. Reymann rechnet jetzt mit rund 75 000 Euro an Gesamtkosten.

 

Fertig werden, so schätzt der Architekt, soll der um 1892 errichtete Pavillon wie die gesamte Parkanklage bis Ende August. Dann übrigens feiert auch die Krefelder Baudenkmal-Stiftung ihr zwanzigjähriges Bestehen – am 10. August.

 

Spenden können an die Krefelder Baudenkmal-Stiftung, IBAN DE96320500000000040030 bei der Sparkasse Krefeld, überwiesen werden.

 

 

Die Denkmal-Stiftung:

Zu deren Förderprojekten gehörten u.a.: Galopprennbahn, Reinigung der Brücke am Voltaplatz, Weideraufstellung des Sockels am Bismarckplatz, Fenster im Museum Haus lange, Haus Esters, Deckengemälde der Musikschule, Mennonitenportal an der alten Stadtmauer, Westrosette der Lutherkirche, Deuss-Tempel im Stadtwald. Aktuelles Projekt ist das Moltke-Gymnasium.


 

Flüchtlingskinder kicken mit beim VfR Rasensport

Ein schöner Nebeneffekt des Parkfestes der SPD-Ortsvereine West, Mitte und Nord
 
Schon die ganze Woche hatten sich Kinder aus dem Flüchtlingsheim Westparkstraße mit Begeisterung an dem Spielangebot von Mobifant im Kaiser Wilhelm-Park beteiligt. Neugierig gemacht durch den Trainings- und Spielbetrieb des VfR Rasensport löcherten sie Thomas Jansen, Leiter von Mobifant, als während des Kaiser-Wilhelm-Park-Festes   der SPD-Ortsvereine West, Nord und Mitte Jugendmannschaften ihr fußballerisches Können zeigten, ob sie nicht auch daran teilnehmen könnten .

 

Klaus Menzer, SPD-Bezirksvorsteher West, stellte die Verbindung zu Markus Hoff, Jugendwart des VfR her, und schon diese Woche können die ersten vier Flüchtlingskinder am Training teilnehmen. Die völkerverbindende Funktion des Fußballspiels - vor Ort wirkt sie besser als auf der Weltbühne der Fifa. 

 


 

 

Mai 2015 

Montagslesung in zehn Sprachen

Arbeitskreis kämpft seit zwei Jahren um den Erhalt der Bücherei in Uerdingen

 

Am Pfingstmontag jährten sich die Montagslesungen vor der Uerdinger Bücherei zum zweiten Mal. Diesen Anlass nutzte der Arbeitskreis „Erhalt Bücherei Uerdingen“ für einen Aufruf, Menschen in ihrer jeweiligen Muttersprache mit deutscher Übersetzung kurze Texte lesen zu lassen. Fast 70 Personen kamen trotz des Feiertags und lauschten über anderthalb Stunden begeistert und

fasziniert.

 

Vorgelesen wurde von 10 Muttersprachler/innen mit jeweiligem/r Übersetzungsleser/in in neun Sprachen: Svetlana Schotte (moldawisch) und Renate Schotte (deutsch) lesen aus „Die Brüder Karamasov“ von Fjodor M. Dostojewski, Muhsin Perk (türkisch) und Susanne Behrendt-Vardaxis lesen Gedichte von Nazim Hikmet, Xinyi Wang (chinesisch) und Bernhard Hennen (deutsch) lesen aus "Der Überdruss" von Mo Yan, Saskia Kirstätter (niederländisch), Hector Parassi (Argentinien) (spanisch) und Silke Reiners (deutsch) lesen aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de,Saint-Exupéry, Basri Cakir, Vorsitzender der Ratsfraktion DIE LINKE, (türkisch) und Ursula Mende (deutsch) lesen aus "Memed mein Falke" von Yasar Kemal, Irina Jouk (russisch) und ihre 13jährige Tochter Simone Jouk (deutsch) lesen aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Danuta Kwiatkowski (polnisch) und Anjeschka Zeka lesen aus „PS: Ich liebe Dich“ von Cecilia Ahern. Roland Harand (französisch) und Sabine Alofs lesen aus „Der kleine Prinz“. von Antoine de Saint-Exupéry. Mariella Cinque (italienisch) und Jana Heyer (deutsch)lesen „Cosmicomics“ von Italo Calvino

 

Seit der Schließung und trotz der Räumung der Uerdinger Bücherei finden die Montagslesungen regelmäßig jeweils von 18.30 Uhr bis 19.00 Uhr vor der Uerdinger Bücherei, Am Marktplatz 5 in Krefeld-Uerdingen bei jeder Witterung statt. Der Arbeitskreis „Erhalt Bücherei Uerdingen“ setzt mit dieser

Maßnahme seine Initiative für die Wiedereröffnung bzw. den Erhalt der Bücherei Uerdingen fort. Zu den Lesungen kommen zwischen 15 und 60 Personen. Jede Lesung beginnt mit dem gemeinsamen Singen einer Strophe des Liedes „Die Gedanken sind frei“ und endet mit den drei umgedichteten Strophen auf die  Uerdinger Bücherei. Außer den Vorlesenden zu lauschen, werden aktuelle Informationen zur Bücherei ausgetauscht.

 

Die Lesungen im Juni: 

 
Im Juni lesen am 01.06 Thorsten Hansen (Ratsherr von Bündnis 90/ Die Grünen und Oberbürgermeisterkandidat) aus “Grimms Wörter” von Günter Grass, am 09.06. Hilde Gumnior-Schwelm aus “Anrufung des großen Bären” von Ingeborg Bachmann und aus “Liebesgedichte” von Paul Celan, am 15.06. Achim Gehring aus “Michael Kohlhaas” von Heinrich von Kleist, am 22.06. Laura Flöter aus ihrem Roman “Nirgendland” und am 29.06. Karin Kohl “Adjüs Kirmes” und “Op Visitt” von Raimund von Beckerath, “Jrömels, Moppe on pröttere Stöcker“ und “Wie dä Mangelmann wür Krefelsch Platt lierde“ von Wilhem Hubben und “Ut de Oversscholl“ von Fritz Lamphausen.


 

Interessierte Vorleserinnen und Vorleser können sich gerne unter Angabe desBuches melden bei: Sabine Alofs, Tel.: 48 18 55 oder unter montagslesung-uerdingen@gmx.de. Ohne Gebühren zu entrichten, dürfen alle Texte vorgelesen werden, die älter als 80 Jahre sind, sicherheitshalber Texte von Autoren/innen, die bereits 80 Jahre verstorben sind.


 


 

 April 2015

 Samirs Mutter  wartet vergeblich auf ein Lebenszeichen

Gloria Yazdan Bakhsh aus Bockum hat ein Buch  über   den langen Weg und das Ende eines  Flüchtlings aus Somalia geschrieben

 

© Von Egon Traxler

 

„Tiefer Friede erfüllt ihn plötzlich und der minutenlange Sauerstoffmangel macht etwas mit seinem Gehirn. Er sieht ein helles Licht durch die Wasserdecke fließen, das sich immer mehr ausbreitet und bald auch ihn erreicht.“ Gloria Yazdan Bakhsh beschreibt in ihrem neuen Buch „Auf den Schwingen der Nacht“ die letzten Minuten eines jungen Somali, der vor der Küste von Lampedusa langsam mit Frau und Kind ertrinkt, nachdem der armselige Flüchtlingskahn gesunken war.

 

Die 66 Jahre alte Autorin aus Bockum, Übersetzerin von Beruf, hat die Geschichte nicht erfunden. Sie stützt sich weitgehend auf Erzählungen eines 29 Jahre alten Lehrers aus Somalia, der ihr auf Mallorca als Souvenirverkäufer seine Geschichte erzählt hat. „Ich saß in Gedanken versunken auf einem Mäuerchen am Strand, als ich plötzlich eine schwarze Hand, voll mit Sonnenbrillen-Imitaten vor Augen hatte“, erzählt sie. Es war Issa. „Er hatte so kluge und freundliche Augen, dass wir schnell ins Gespräch kamen. Er erzählte mir, warum er seinem Heimatdorf und seiner Familie zurückließ, um sein Glück im fernen Europa zu suchen.“ In ihrem Buch nennt sie ihn Samir.

 

Auf den ersten und oberflächlichen Blick könnte man ihn herablassend als „Wirtschaftsflüchtling“ bezeichnen. Denn Somalia leidet zwar auch am Bürgerkrieg, der aber hat das Dorf Samirs weitgehend verschont. Er geht deshalb in die Fremde, weil seine Familie mit seinen drei Schwestern am Hungertuch nagt. Wasser gibt es im Dorf nicht, der nächste Brunner liegt in drei Kilometer Entfernung.

 

Er verlässt sein Dorf  Über Äthiopien und den Sudan schleppt sich Samir durch end- und erbarmungslose Wüsten, fällt Geiselnehmern in die Hände erholt sich in Oasen von den Strapazen. Dann bricht er wieder auf nach Nordwesten, über Tunesien nach Lampedusa. Sein Ende in den Wogen des Mittelmeeres ist beschrieben. „Ferne erst sind wenige Lichter auf einem kleinen Streifen Land in Sicht“, schreibt Gloria Bakhsh. Und: „Samirs Mutter wartet auch weiterhin vergeblich auf ein Lebenszeichen ihres Sohnes. Sie wartet ihr ganzes Leben lang.“

 

Die Sprache der Autorin ist klar und eindringlich. Sie bewegt sich eher undramatisch zurückhaltend als Beobachterin im Flüchtlingsdrama. Während die aktuellen TV-Bilder nur Blicke von außen vermitteln, will die Autorin „Innenansichten vermitteln.“ Sie kann dabei viele ihrer eigenen Erfahrungen einbringen. Wüsten, Karawanen und Oasen kennt sie aus ihrer zeitweiligen Heimat Iran. Sie war mit einem iranischen Ingenieur verheiratet, lebte von 1973 bis 1979 in Teheran und ist jetzt „seit 25 Jahren glücklich geschieden.“ Von ihrem Mann hat sie nur den Namen behalten. In Teheran erlebte sie auch die schiitische Revolution unter Ajatollah Chomeini. Sie flüchtete mit ihrem Mann über die Türkei zurück nach Deutschland. Zurücklassen mussten sie alles, was sie besaßen.

 

„Schwingen der Nacht“ ist in nur rund drei Monaten entstanden. Ihr Anliegen damit: „Die Welt schaut weg von der Katastrophe im Mittelmeer. Ich möchte die Öffentlichkeit aufrütteln. Vor allem die Untätigkeit und die Heuchelei der Politiker ist einfach unerträglich. Nach einem kurzfristigen Riesen-Hype wird wieder konsequent weg geschaut. Bis zum nächsten Mal.“

 

Gloria Yazdan Bakhsh hat bereits mehrere Bücher geschrieben. Kinderbücher, über innere Kraft, Reiki, Tai Chi, Meditation. Sie sind im Selbstverlag erschienen und über einen großen Online-Versand erhältlich. Das 163-Seiten-Buch kostet 10,90 Euro.

 

Zum Vormerken: Gloria Yazdan Bakhsh liest aus ihrem Buch am 29. September im Südbahnhof an der Saumstraße ab 19 Uhr im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum 20jährigen Bestehen des Flüchtlingsrates Krefeld.

 


 

April 2015  

 

Das Stadtbad: Krefelds erster Bauskandal

Kosten haben sich nach der Fertigstellung 1890 fast verfünffacht – Kritik an „Urbanisierungseuphorie“


 

 © Von Egon Traxler


 

Die Anstöße zum Bau des Stadtbades auf der Neusser Straße sollen von Ärzten ausgegangen sein, die sich Sorgen um die Hygiene der damals rund 100 000 Einwohner der Stadt machten. Darauf verweist Band 3 der Stadtgeschichte (S. 175). Andere Quellen nennen dafür das preußische Justizministerium. Dieses nannte als Mindestanforderung für die Ansiedlung eines Landgerichts, auf die die Handelskammer drängte, eine öffentliche Badeanstalt. Nach dem Bau des Stadtbades öffnete das Landgericht am Nordwall 1906 seine Pforten.

 

 

Im ausgehenden 19. Jahrhundert gehörten Badezimmer nur für die begüterte Klasse zum Standard einer Wohnung. Das gemeine Volk wusch sich vielmehr mit einer Waschschüssel oder besuchte im Sommer eines der zahlreichen öffentlichen Bäder im Rhein. Eine Kanalisation für die gesamte Stadt wurde erst in den 1870er Jahren realisiert. Noch 1871/72 gab es in der Stadt 529 Todesfälle durch Pocken.


 

Eine öffentliche Badeanstalt konnte also nur als Segen angesehen werden. 1885 fasste der Stadtrat einen entsprechenden Beschluss. Fünf Jahre später, am 23. April 1880 wurde das Bad eröffnet. Die Entwicklung der Baukosten machte aber bereits damals so kräftige Sprünge, dass sie an heutige Beispiele in Berlin oder Hamburg erinnern. Architekt Johann Frings hatte dem Stadtrat eine Planskizze vorgelegt, in der er die Kosten auf rund 200 000 Mark (umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro) veranschlagte.


 

Stadtbaumeister Johann Burkart legte einen zweiten Planentwurf vor, in dem die Kosten bereits auf 300 000 Mark beziffert wurden. Erst mehr als vier Jahre nach der Fertigstellung wurde bekannt, dass die Rechnung für die Stadtkasse bei 919 134,89 Mark betrug. Fast sechs Millionen Euro. Krefeld erster handfester Bauskandal.


 

Die Krefelder Zeitung schwelgte nach der Eröffnung: „Die ganze Ausstattung ist bis in die kleinsten Einzelheiten so schön, prächtig und gediegen, dabei aber auch wieder so durchdacht und so zweckmäßig, dass man nach der Besichtigung durch die Höhe der Kosten durchaus nicht mehr in Erstaunen gerät.“ Dennoch sorgte die Kostenexplosion im Stadtrat für stürmische Diskussionen. Der Wortführer der regierenden Liberalen, Fritz de Greiff, Vorsitzender der Baukommission, musste zugeben, der Rat habe nach dem Motto gehandelt: „Stimmen wir ruhig zu, bauen wir nur, das weitere findet sich dann schon.“


 

Das oppositionelle Zentrum kritisierte bereits vor der Öffnung des Bades in der Sitzung vom 6.2. 1890 die luxuriöse Ausstattung des Bades. Der liberale Stadtrat Molenaar hielt dem entgegen, „dass die Badeanstalt schön ausgestattet sei, damit sie die Bürger zum Baden einlade.“ Nachdem die tatsächlichen Kosten bekannt waren, warf das Zentrum den Liberalen am 15. Februar 1894 vor, dass man die Lage der Stadt schlichtweg falsch beurteilt habe und in eine Art, „Urbanisierungseuphorie“ gefallen war.


 

Der luxuriösen Schwimmhallen, die beiden Salonbäder, die Wannenbäder I. und II. Klasse sowie die irisch-römischen Bäder mit Dampfbad und Sauna waren durch den prachtvollen Eingang auf der Neusser Straße zu erreichen. Die Möbel in der ersten Klasse waren aus Eichenholz, die der Zweiten aus Kiefer. Das Bad galt als die schönste, prächtigste und luxuriöseste Anstalt im Reich. Die Eintrittspreise sorgten dafür, dass auch das Publikum exklusiv blieb.


 

Die später eingerichteten Brausebäder konnten die Gäste hingegen nur über den Hof an der Gerberstraße besuchen. Das waren hauptsächlich arbeitende Menschen und ihre Familien zum Beispiel von der benachbarten Samtweberei an der damaligen Ober- heute Lewerentzstraße. Das Duschen für 10 oder 25 Pfennige inklusive Handtuch und Seife wurde ausgiebig genutzt.


 

Krefeld wurde Großstadt:

Eine Mark entsprach um 1900 umgerechnet rund sechs Euro. Ein Fabrikarbeiter/-weber kam damals auf ein Jahreseinkommen von rund 1000 Mark. Das sind umgerechnet monatlich 500 Euro. Ein Spitzenbeamter kam umgerechnet auf 6000 Euro pro Monat und der Gasfabrikant Carl Puricelli versteuerte 1889 rund 186 000 Mark (1 116 000 Euro). Am 18. November 1887 erblickte Hermann Peschkes auf der Prinz-Ferdinand-Straße als 100 000er Einwohner der Stadt das Licht der Welt. Krefeld war damit Großstadt. Ab 1925 wurden im später gebauten Freibad auch Schwimm-Wettkämpfe ausgetragen. abgehalten. 1951 soll bei einem solchen Wettkampf der Italiener Carlo Pedersoli für Lazio Rom am Start gewesen sein. Pedersoli wurde später als Schauspieler Bud Spencer bekannt.


März 2015

Flüchtlingsrat wirbt mit Crowdfunding um Spenden

Im Bleichpfad-Hochhaus soll eine ständige Anlaufstelle für Asylsuchende entstehen

 

 © Von Egon Traxler

 

Viele neue und junge Gesichter beim Flüchtlingsrat Krefeld. Aber auch viele neue Aufgaben angesichts der großen Zahl an neuen Hilfesuchenden in der Stadt. Auch die Welle der Hilfsbereitschaft muss in geordnete und strukturierte Bahnen gelenkt werden. Deshalb, so freut sich Ratsvorsitzende Ute Richter, sollen im Erdgeschoss des Bleichpfad-Hochhauses bald neue Räumlichkeiten bezogen werden.

 

 

Hoch hinaus will der Flüchtlingsrat.                                                                

WZ-Foto: Andreas Bischof

 

Voraussetzung dafür sind Spenden aus der Bevölkerung, die das finanzieren sollen. Im Erdgeschoß am Bleichpfad soll auf einer Fläche von ru8nd 200 Quadratmetern eine barrierefreie Anlaufstelle für Asylsuchende werden. Beratung soll es hier geben, Austausch, Förderung, Sprachunterricht, Kultur, Weiterbildung von ehrenamtlichen Helfern und nicht zuletzt ein ständiges Büro des Flüchtlingsrates. Andreas Erkes als Hochhaus-Verwalter stellt die Räumlichkeiten für eine eher symbolische Monatsmiete zur Verfügung.

 

Um den Spendern moderne Möglichkeiten zu erschließen, ist das seit Donnerstag auch im Internet möglich. Crowdfunding heißt das im IT-Jargon. Über die unten stehende Internet-Adresse können potentielle Spender dort unkompliziert, direkt und gezielt eine Einzugsermächtigung für ihren Obolus erteilen. Betterplace ist die größte Online-Spendenplattform Deutschlands. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft wirbt für sich: „Statt finanzieller Rendite gibt’s für deren Aktionäre etwas Besseres: Das unbezahlbare Gefühl, Gutes zu tun.“

 

Das Crowdfunding-Projekt des Flüchtlingsrates ist ein direktes Produkt der Seminare für ehrenamtliche Helfer. Sie werden seit Ende letzten Jahres von der Stadtplanerin Ulla Schreiber angeboten. Bislang fanden vier solcher Veranstaltungen mit je 14 bis 20 Teilnehmern statt. Saskia Wolff, Jenny Reinders, Eva Willems und Britta Kronenberg sind vier dieser Absolventinnen. Sie haben das neue Spenden-Projekt entwickelt und es online gestellt.

 

Angesichts der weltweit zunehmenden Krisen ist die Zahl der Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen, stark angestiegen. Auch Krefeld ist ein neues Zuhause für zahlreiche Flüchtlinge geworden. Derzeit sind es rund 1200. Das Sozialamt der Stadt erwartet bis Jahresende weitere 600 Menschen, es könnten aber auch mehr werden. Die Verwaltung kümmert sich  um das Elementarste. Essen, Unterkunft, ärztliche Erstversorgung. Derzeit leben rund 530 Menschen in Sammelunterkünften (u.a. Turnhallen), 280 in Behelfswohnungen und 350 in regulären Wohnungen. Um die psychologischen Probleme der oft traumatisierten Flüchtlinge kümmern sich derzeit drei städtische Sozialarbeiter. Mitte April soll das ehemalige Seniorenwohnheim an der Westparkstraße von zunächst 120 Asylbewerbern bezogen werden.

 

Ein Großteil der Betreuung der Flüchtlinge wird zunehmend über ehrenamtliche Tätigkeiten koordiniert. Dem Flüchtlingsrat Krefeld e.V., den es seit nunmehr 20 Jahren gibt, wird hierbei eine besondere Rolle zu Teil. Über diese Institution wird das ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung begleitet und organisiert.

 

Internet:

www.betterplace.org/p27240

www. Fluechtlingsrat-krefeld.de

www.facebook.com/FluechtlingsratKrefeld

 

Das Hochhaus

im Hochhaus, das im Volksmund „Mississippidampfer“ genannt wird, leben rund 1000 Menschen aus 25 Nationen. 1974 ist das Bleichpfad-Hochhaus bezogen worden. Mit 72 Metern ist es das höchste Wohnhaus in Krefeld. Die Außenkamine sind noch drei Meter höher. Das Haupthaus hat 22 Geschosse. Es verfügt über 252 Wohneinheiten und ebenso viele Stellplätze. Die Auslastung liegt derzeit bei fast hundert Prozent.

 

 

 


 

Dezember 2014 

Mit Frau Hu ins Reich der Träume

Zwei Wochen im Helios-Klinikum – Ohne das Migranten-Fachpersonal wäre es zappenduster

 © Von Egon Traxler

   

Frau Hu wirft mir einen für fürsorglichen Blick zu und lächelt. „Ich bin Ihre Anästhesistin und begleite sie jetzt auf dem Weg in die Narkose“, sagt die Fachärztin aus Südostasien und streicht mir fast zärtlich das Operationshemdchen über die linke Schulter. „Sie sollen dabei doch nicht frieren“, höre ich sie noch sagen kurz vor der Dunkelheit.

 

Später, im Aufwachraum des Helios-Klinikums am Lutherplatz, höre ich einen älteren Mitpatienten, der offenbar aus Kasachstan stammt. Er soll Namen und Geburtsdatum nennen. „Ne ponemaju“ ächzt er, „ich verstehe sie nicht“. Kurz darauf die weibliche und sanfte Stimme: „Kak wasche Imja?“, wie ist ihr Name, „Den raschdenje? “, Geburtsdatum? Fast hörbar erleichtert die russischen Antworten auf die Kontrollfragen der grünbemützten Krankenschwester, die neben deutsch auch russisch spricht.

 

„Kopftuchmädchen“ hat sie ein umstrittener Autor abschätzig betitelt. Es sind viele junge Frauen, die mit ihren Kopftüchern Dienst auf verschiedenen Ebenen des Krankenhauses versehen. An dem Kopfschmuck sind sie als Migrantinnen erkennbar. An der Sprache nicht mehr. Sie kommen aus Oppum, Hüls oder Marxloh und präsentieren die dritte oder auch schon vierte Generation der Einwanderer, die einst als Gastarbeiter ins Land geholt wurden. Heute messen sie Puls und Blutdruck, operieren, wechseln Verbände oder hören sich geduldig Kummer und Sorgen der Patienten an.

 

In Angola oder Mocambique stand die Wiege unseres immer fröhlichen Krankenpflegers. „Ja“, lacht er breit, „eine Flasche Bier zum Abendessen ist o.k., aber nur alkoholfrei.“ Aber er ist nicht nur ansteckend fröhlich, sondern auch hochkompetent. Wie seine Hände Wunden versorgen und reinigen und er dabei über die Fußball-Bundesliga plaudert, das ist bemerkenswert.

 

Oder der Gastroenterologe aus dem Kaukasus. Das ist nicht nur der Facharzt für Magen- und Darm-Beschwerden, der Internist. Natürlich ist er in erster Linie Arzt am Krankenbett. Unser georgischer Facharzt ist aber auch Ethnologe, Völkerkundler. Er erklärt uns zum Beispiel die Eigenheiten der Familiennamen seiner Heimat. Die drei Hauptendungen „wili“, „adse“ und „idse“ lassen jeweils auf eine bestimmte Region in Georgien schließen, aus der der jeweilige Namensträger stammt. Kobiaschwili, der Fußballer, fällt dabei ein, oder Tschugaschwili für Stalin, Schewardnadse oder Gurgenidse für die zeitweiligen Präsidenten oder Premierminister der Kaukasusrepublik.

 

Auch die schlanke und bescheidene Frau aus Ostanatolien ist ein wichtiges Rädchen im Klinik-Betrieb. Sie macht, wie viele ihrer Landsfrauen, sauber. Das aber macht sie so effizient und fast schon elegant, dass es Spaß macht, ihr zuzusehen. Still, schnell und blitzblank. Sie spielt für den Genesungsprozess nicht die entscheidende Rolle, aber auch ihr kleines Lächeln, als sie die Zimmertür wieder schließt, ist dabei zumindest hilfreich.

 

Dabei steht der oben genannte wendige Georgier nur als ein Beispiel für Ärzte aus Bulgarien, Rumänien, Asien, Afrika oder der Türkei, die im Klinikum in einer Reihe mit ihren deutschen Kollegen eine wichtige Rolle im Gesundheitswesen spielen. Sie sind unverzichtbarer Teil der mehr als 2000 Beschäftigen, die jährlich mehr als 100.000 Patienten im stationären und ambulanten Bereich versorgen.

 

In den Diskussionen der Fachwelt wird derzeit hauptsächlich die Frage behandelt, wie Zuzügler in unsere Gesellschaft vom deutschen Gesundheitswesen besser versorgt werden können. Mir aber drängt sich nach meinem knapp zweiwöchigen Aufenthalt im Helios die Frage auf, was unsere Gesundheitslandschaft wohl ohne diese Fachkräfte mit nichtdeutscher Herkunft machen würde. Was wäre das Helios ohne Frau Hu, ohne die „Kopftuchmädchen“, ohne den Mann aus Georgien oder Angola? Zappenduster. Deshalb sind sie so wertvoll für uns alle und machen unsere Gesundheit und unsere Gesellschaft reicher.

 

Und dann das: „No Welcome for Refugees here“, behaupten Hetz-Aufkleber in Aufzügen des Klinikums in den letzten Tagen. Flüchtlinge seien hier nicht willkommen. Dumpf, dumm, menschen-- und gesellschaftsfeindlich. Marina Dorsch, Pressesprecherin des Klinikums, schüttelt den Kopf. Die Mitarbeiter werden umgehend dafür sorgen, dass diese rassistischen Pamphlete umgehend verschwinden.

 


 

  

 Juni 2013

Blumen am Stolperstein für Margarethe

 Die Stadt hatte in die Kirche St. Anna eingeladen, um der Opfer des Bombenangriffs vor 70 Jahren zu gedenken.

© Von Egon Traxler

  

 

Trümmer, Trauer, Rauch, Verwesung. Die Innenstadt und der Nordbezirk rund um St. Anna und Pauluskirche wurden im Bombenhagel des Angriffs am 22. Juni 1943 verwüstet. 70 Jahre danach gedenken 300 Menschen in einem ökumenischen Gottesdienst in der überfüllten Annakirche dieser furchtbaren Ereignisse. Einer der Gäste ist neben zahlreichen Stadträten auch der frühere SPD-Oberbürgermeister Willi Wahl (85).

 

„Viele haben damals wieder beten gelernt“, erinnert Volker Hendricks, der Pastor der Pauluskirche. Viele hätten damals aber auch den Glauben verloren. Einig sei man sich damals wie heute über alle Weltreligionen hinweg in der „Sehnsucht nach Gottes Gnaden“, so der katholische Seelsorger Jochen Pesch.Für seine Schwester Marie-Luise schildert Alt-Oberbürgermeister Hansheinz Hauser, der an diesem Tag 91 Jahre alt wird, die gespenstischen Stunden dieser Nacht. Die Hülser Straße und die Bäckerei Hauser sind nach dem Angriff nur noch Schutt und Asche.

Hendricks: Wir müssen dankbar sein für die langen Jahre des Friedens

 

Dankbar müssten wir sein für die langen Jahre des Friedens, sagt Hendricks. „Ein großer und kostbarer Schatz.“ In dieser Erkenntnis aber dürften wir nicht stehen bleiben, „sondern müssen uns einmischen“. „Nie wieder Krieg“, so das Fazit von Oberbürgermeister Gregor Kathstede in der sich anschließenden zentralen Gedenkfeier der Stadt für die Bombenopfer und für Margarethe Papendell, an die mit einem Stolperstein in der Nähe der Kirche erinnert wird.

 

Auch Kathstede warnt vor dem Vergessen des erschütternden und beschämenden Teils deutscher Geschichte. Die Stimmen dafür mehrten sich. Die heutige Unbefangenheit der jungen Menschen berge „die Gefahr, dass sie nicht mit der notwendigen Entschiedenheit für den Frieden und gegen rechte Umtriebe eintreten können“. Das Gedenken solle dazu beitragen, „dass wir alle ständig wachsam und entschlossen sind“.

 

Emotionale Augenblicke, als Margarethes jüngste Schwester Rosemarie Mori die Stunden der Angst schildert, die ihr Bruder Jakob, damals sechs Jahre alt, im Luftschutzkeller des Elternhauses ertragen musste. „Die schlimmste Nacht meines Lebens“ hat der in Australien lebende Jakob Papendell seine Erinnerungen daran genannt.

Gemeinsam mit Kathstede legt Rosemarie Mori später Blumen am Stolperstein unweit der Annakirche nieder. Das unschuldige Leben des zwei Jahre alten Mädchens von der Inrather Straße sei ausgelöscht worden, so Kathstede, „weil es nicht in das kranke Weltbild eines perfiden Nazi-Regimes passte“.

Stolperstein als dauerhafte Erinnerung und Mahnung

 

Er sei froh darüber, dass ihr Schicksal nicht nur für einen kurzen Augenblick in das Bewusstsein dringe, sondern „durch einen Stolperstein an ihrem Elternhaus zu einer dauerhaften Erinnerung und Mahnung geworden ist“.

 

 

OB Kathstede und Margarethes Schwester Rosemarie legen im Juni 2013 Blumen am Stolperstein an der Inrather Straße 145 nieder. Foto:                                                                                             Dirk Jochmann (WZ)

 

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Krefelder Köpfe 

Ein Mann, der nie seine Wurzeln vergisst

Ernst Althoff : Vom Schreinergesellen zum Architekten und Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf

 

© von Egon Traxler



Schreinergeselle und Professor. Kein Widerspruch. Von philosophischen Betrachtungen über den Sinn und die Aufgaben von Architektur springt Ernst Althoff gerne zurück zu den Wurzeln, zum Stoff, der Gestalten erst möglich macht. Das Bett, das er für Joseph Beuys einst aus Stahl und Eiche gefertigt hat, ist nach vielen Umwegen wieder in seinem Besitz. Über die Drakestraße in Düsseldorf und die Kliedbruchstraße in Krefeld gelangte die Ruhestatt des Künstlers in die Schweiz und von dort kürzlich wieder zurück an den Niederrhein.


 

„Er kann unglaublich stur sein“, sagt die Malerin und Bildhauerin Gisela Rietta Fritschi über ihn, die ihn seit 20 Jahren und länger kennt. Sie ist die Ex-Frau eines ehemaligen Schülers von ihm. Sie sagt aber auch: „Er ist aber auch der fröhliche und optimistische Rheinländer.“ Dem Mann; der gerne grobe Pullover trägt, blitzt die Lebensfreude aus den blauen Augen unter dem zerzausten, weißen Haarschopf. „Es war nicht die große Strenge in meinem katholisch geprägten Elternhaus“, sagt er im Rückblick auf seine Kinder- und Jugendzeit an der Jägerstraße 71 am Blumenplatz. Aber sein Vater, der Schreiner und seine Mutter hätten Auf- und Vorgaben gemacht, Grenzen gesetzt. Das hat ihn geprägt. Handwerklich und künstlerisch.


 

Nach der Lehre bei seinem Vater absolvierte er sein Architekturstudium zwischen 1944 und 1948 an der Krefelder Meisterschule für das gestaltende Handwerk, später die Werkkunstschule, aus der die heutige Hochschule Niederrhein hervorging. Mit großer Achtung spricht Althoff noch heute von einem seiner ersten Lehrer, Professor Stefan Hirzel, damals kurze Zeit Direktor an der Meisterschule. Hirtzel empfahl den jungen Architekten Althoff bei Hans Schwippert, der ihn 1950 in seine Klasse an der Düsseldorfer Kunstakademie aufnahm. 1963 holte Schwippert den freiberuflichen Architekten Althoff als Dozent an die Akademie. Neun Jahre später erfolgte die Berufung zum Professor.


 

Mit Ludwig Mies van der Rohe kam es 1959 zu einem Treffen, Walter Gropius lernte Althoff 1965 kennen. Beide beeinflussten Althoffs Auffassung von Architektur mit. Wie nebenbei erzählt Althoff auch von einem Treffen mit van der Rohe kurz vor dessen Tod 1969 in Chicago. Zum Gedankenaustausch traf er bei der Konzeption der deutschen Beteiligung an der Weltausstellung Brüssel 1958 auch Henry van de Velde und Egon Eiermann – der 1956 das Verwaltungsgebäude der Krefelder Verseidag baute, das spätere Stadthaus, um dessen Denkmalwürdigkeit heute heftig gestritten wird.


 

Nie aber hat Althoff seine Wurzeln aus den Augen verloren. Einfach und voller Wert sind die Möbel und Häuser die er entwarf. Es erinnert ein wenig an Karl Marx und Friedrich Engels, wenn er über die Rolle der Architektur für die Gesellschaft spricht: „Wir sind die Produkte der Umgebung, in der wir aufgewachsen sind.“ Und: „Erst kommt das Wohnen, dann das Bauen.“ Es gehe nicht um die Architektur, oder die Ästhetik, sondern um das Wohlfühlen in einem Haus, um die guten Beziehungen der Bewohner, die sich daraus entwickeln.“

 

Foto: Dirk Jochmann (WZ)
 

Der Mann mit den zupackenden Händen erinnert sich gerne an die Schlösser-Gaststätte in der Ratinger Straße in Düsseldorf, die er als „Börse“ für verschiedene Auftrage der jungen Architekten und Künstler bezeichnet. Dort hatte auch das Büdericher Ehrenmal von Joseph Beuys seinen Ausgangspunkt. Das monumentale Eichenkreuz und das Tor für das Ehrenmal wurden teilweise in der väterlichen Werkstatt an der Jägerstraße hergestellt und von dort mit dem dreirädrigen Lieferwagen des Vaters nach Kleve transportiert. Später baute Althoff für seine Kommilitonen Beuys und Erwin Heerich das erwähnte Bett und einen Tisch aus Nussbaum – im Tausch gegen eine kleine Skulptur und eine grafische Arbeit.


 

Ernst Althoff:

Geboren 1928 und aufgewachsen in Krefeld. Tischlerlehre im väterlichen Betrieb am Blumenplatz. Studienabschluss 1948 an der „Meisterschule für das Gestaltende Handwerk“ an der späteren Werkkunstschule Krefeld. Danach Aufträge für Entwürfe für Häuser, Möbel und Ausstellungen (u.a. Weltausstellungen in Brüssel und Montreal). 1963 Berufung als Dozent an die Kunstakademie Düsseldorf, Hochschule für bildende Künste. 1972 Ernennung zum Professor. Dominant in seinen Arbeiten ist wie bei Mies van der Rohe der puristische rechte Winkel. Seine Tochter Corinna Althoff  war Deutsche Juniorenmeisterin im Eiskunstlauf.

 

 


 

April 2014  

Huhnen-Wandbild wieder zugänglich

In der alten Schlichterei und früherem Speisesaal der Verseidag arbeitet jetzt die Internet-Agentur Aijko

 

© Von Egon Traxler

 

Wenn ein Künstler ein rund 32 Quadratmeter großes Wandbildnis schafft, ist das monumental oder kolossal. Und es müsste als solches von vielen Menschen bestaunt werden. Letzteres war nur temporär der Fall. In den Jahren, als die Alte Schlichterei der Verseidag an der Girmesgath noch Speisesaal war. Heute ist das rund vier Mal acht Meter große Gemälde von Fritz Huhnen künstlerischer Mittelpunkt der Internetagentur Aijko, die vor wenigen Wochen eine Hälfte des Mies-van–der-Rohe-Gebäudes bezogen hat.

 

Aijko-Geschäftsführerin Michaela Bonneck, Design-Absolventin der Hochschule-Niederrhein, hat Betrachtern liebevoll eine Fünfziger-Jahre-Sitzecke vor dem Bild bereitgestellt. Sie meint: „„Das Bild stellt für unsere moderne Agentur in jeder Hinsicht einen gelungenen Kontrast dar. Es ist ein Highlight, welches viel Gesprächspotential bietet und ist in der Kombination  mit der chicen Loft-Atmosphäre sicher weltweit einzigartig.“

 

Das Wandbild ist ein panoptisches Kaleidoskop Krefelder Stadtgeschichte. Es war zum Zeitpunkt seines Entstehens 1957 nicht nur ein kulturelles Ausrufezeichen im damaligen Speisesaal der Verseidag, sondern auch Ausdruck des Aufbruchs in bessere Zeiten nach den Elendsjahren nach dem großen Krieg, der nur zwölf Jahre zuvor zu Ende ging.  .

 

Der bekannte Krefelder Künstler hat darin nicht nur den rauchenden Schornstein und die Shedhallen seines Auftraggebers Verseidag verewigt, sondern wohl auch sich selbst mit seinen Auftritt als Karnevalsprinz mit Lilo Lange (einer Tochter des Seodenbarons Hermann Lange/Haus Lange) im Jahr 1935. Ihr Motto lautete "Kri-ewel packt ut". Die Proklamation fand im "Seidenfaden" statt.

 

Das Bild aus dem Jahr 1957 zeichnet leicht abstrahiert und teilweise karikiert den Alltag der Stadt. Szenen der Wirtschaftswunderjahre. Menschen am Arbeitsplatz, Kneipenszene, ein junges Liebespaar, die verschiedenen Kirchturmspitzen (hier hat der Maler-Schalk der Dionysiusspitze einen Wetterhahn aufgesetzt) , die Türme von St. Josef, den Leierkastenmann, Kirmesszenen mit Riesen- und „Teufelsrad“ und Achterbahn, ein Fußballspiel, Bauern, ein Schrebergarten-Paar, Studierende, Werkhallen, rauchende Schlote, ein Paar mit Kindern, Tanzende mit einer Drei-Mann-Kapelle mit Gitarre, Schlagzeug und Trompete und darüber zwei Menschen unter einem Sonnenschirm.

 

Aktiv dabei bei der Erstellung des Kolossal-Gemäldes war auch der heute 85 Jahre alte Maler Klaus-Peter Noever. Noever studierte von 1946 -1954 an der Werkkunstschule Krefeld bei Laurens Goossens, Er hat nach Anweisungen von Huhnen im Bild gearbeitet, berichtet Christoph Tölke, Restaurator und Vorsitzender des Vereins Kunst und Krefeld. Tölke war mit dem Verein bis vor drei Jahren Mieter der Alten Schlichterei und kennt das Huhnen-Werk sehr gut. „Die Farben sind mit Binder- oder Leimfarbe direkt auf den frischen Kalkputz aufgetragen.“

 

Zu seinem 70. Geburtstag wurde Huhnen 1965 mit dem Ehrenschild der Stadt Krefeld ausgezeichnet 1981 verstarb er am 15. Dezember im Willicher Krankenhaus im Alter von 86 Jahren. Er erhielt auf dem Hauptfriedhof ein Ehrengrab. 1985 richtete ihm das Kaiser Wilhelm Museum eine Gedenkausstellung aus.

 

Schlichterei:

In der der Weberei vorgelagerten Schlichterei wurden die Garne schlichter, das heißt glatter gemacht, damit sie die Webstühle leichter ohne Fadenbruch passieren konnten. Die Fäden liefen in der Schlichterei deshalb durch ein Stärkebad. Nach der Verwendung als Produktionsgebäude wurde der Flachbau es als ein Speisesaal genutzt. Er steht unter Denkmalschutz. 

 

 

 

Meister Huhnen (im Vordergrund) und sein Werk                                                                    Foto: Privat/Leendertz

 

 


 

  

So sah es im Kaiser-Friedrich-Hain einst aus. Der Teich wurde nach dem 2. Weltkrieg mit Trümmern zugeschüttet. Park und Aussichtstempel werden jetzt restauriert.

  

Des Kaisers Büste wurde wohl geklaut

Zur Geschichte des Tempels im Kaiser-Friedrich-Hain – Sanierung soll in der 44. Kalenderwoche beginnen


 © Von Egon Traxler


 

Architekt Klaus Reymann wird u.a. aus Mitteln der Denkmalstiftung den denkmalgeschützten Pavillon im

Nordosten des Kaiser-Friedrich-Hains (früher Heyespark) restaurieren. Das ist Teil der derzeitigen Sanierung des gesamten Parks zwischen der Leyental- und Steckendorfer Straße. Der Tempel mit dem Kupferdach wird künftig Nachts mit Scheinwerfern beleuchtet. Das soll auch den Kreis der Besucher beeinflussen. Die Arbeiten beginnen in dieser Woche und werden rund drei Monate in Anspruch nehmen. Reymann: „Es sind auch diese kleinen Kostbarkeiten der Baukunst, die wir bewahren müssen.“


 

Eingeweiht wurde der Tempel am 1. April 1915. Die Pläne stammen vom Krefelder Architekten Hugo Lechmig, einemspäteren Anhänger der Nazi-Partei. Das siebeneckige Gemäuer aus Muschelkalk war konzipiert als Aussichtstempel.Es steht auf einem ebenfalls aus Muschelkalk errichteten, zweistufigen Podest. Hinauf zum Türmchen auf dem kleinen Hügel führt ein fünfstufiger Aufgang. Die vier Putten auf zwei mit Schalen gekrönten Säulen links und rechts im Aufgang symbolisieren die Kunst, die Wissenschaft, den Handel und die Industrie.


 

Alle sieben Wände sind durch hohe Bögen durchbrochen. Ein profiliertes Kreuzgesims leitet zum flachgewölbten, kupferverzierten Betondach über. Zu besseren Beleuchtung wurde in der Mitte eine kreisrunde und umkränzte Öffnung geschaffen. Der Fußboden im Innenbereich ist ebenfalls aus Muschelkalk.


 

Eingerahmt war das Denkmal ursprünglich von 17 niedrigen Steinpfosten, die durch  Eisenkette verbunden waren.Sie sind nur noch teilweise vorhanden. Verschwunden sind heute die Steinbänke, von denen man früher den Hainüberblicken konnte. Im von Wilhelm de Greiff angelegten Weiher spiegelte sich der Tempel. Der Weiher wurde nachdem 2. Weltkrieg mit Trümmerschutt aufgefüllt. Blaue Krokusse könnten im kommenden Frühjahr die frühere Teichanlage symbolisch kennzeichnen.


Der kleine Tempel, ein Teil des schmiedeeisernen Zaunes und der ehemalige klassizistische Torbogen zu Haus Heyes aus dem Jahr 1871 an der Steckendorfer Straße sind erhalten geblieben und stehen auch unter Denkmalschutz. Sie werden ebenfalls renoviert. Die Mauer mit dem aufgesetzten Eisenzaun und die Toranlage stammen aus Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Zaun wird entrostet und mit einem Anstrich als Korrosionsschutz versehen.

 

Beleuchtungsprobe für den Tempel

 


 

Die Kosten für die Restaurierung der Denkmale im Hain betragen rund 50 000 Euro, 20 000 davon übernimmt die Krefelder Denkmalstiftung, deren Vorsitzender Klaus Reymann ist.


 

Die Geschichte des Parks

Der Kaiser-Friedrich-Hain entstand aus einer zwischen  Steckendorfer- und Leyental-/Philadelphiastraße gelegenen Parkanlage von Haus Heyes, das aus dem früheren Heyes-Hof hervorging. Die Stadt Krefeld kaufte im Jahr 1910 das Anwesen und machte den Park der Öffentlichkeit zugänglich. In Haus Heyes wurde im Jahr 1911 das naturwissenschaftliche Museum eröffnet. Im 2. Weltkrieg wurde der Park 1943 schwer beschädigt. Das Museum wurde vollständig zerstört. Dort befindet sich heute der Kinderspielplatz. Der kleine Tempel, ein Teil des schmiedeeisernen Zaunes und der ehemalige Eingang zu Haus Heyes mit zwei Torpfeilern aus dem Jahr 1871 sind erhalten geblieben und stehen unter Denkmalschutz.


 


 

Der tragische Tod der Nesgen to Range

Vor über 500 Jahren wurde sie nach Folterqualen vermutlich am Hülser Berg als Hexe hingerichtet

 

© Von Egon Traxler

 

Der Rangshof auf der Inrather Straße 645 ist verkauft und wird derzeit kernsaniert  Vier Mietwohnungen will Gregor Gerhard dort errichten. Er schätzt die Kosten dafür auf insgesamt rund eine Million Euro.       Beim Blick in die Historie des Hofes fällt besonders die Hexenverbrennung vor über 500 Jahren ins Auge.

 

 

Die vier Maueranker am Rangshof weisen die Jahreszahl 1737 aus. Darauf beruft sich auch der Historiker Christoph Dautermann in dem Buch „Inrath, Werden und Leben eines alten Krefelder Stadtteils“. Möglicherweise aber ist das denkmalgeschützte Gebäude an der heutigen Inrather Straße 645 weitaus älter als 277 Jahre. Das schließt auch Dautermann nicht aus: „Auch hier wurden die ursprünglich in Fachwerk bestehenden Außenwände später in Backstein ersetzt.“ Dautermann, Vize-Museumschef in Linn,  weist auch darauf hin,  dass dieser Hof mehrfach in Brand gestanden habe.

 

Historische Überlieferungen weisen hingegen auf einen Tag im Februar 1492 hin. Christoph Columbus bricht zum selben Zeitpunkt mit drei spanischen Schiffen nach Amerika auf. Damals sollen Wachleute in Hüls an die Haustür von Nesgen to Range am Rangshof, geklopft haben: Demnach müsste also dieser Hof bereits damals, 245 Jahre früher, existiert haben. Möglicherweise aber an anderer Stelle, wie  Heimatforscher Horst Steimel vermutet.

 

Man habe Nesgen als "Hexe" bezichtigt und brachte sie in das Gefängnis der Hülser Burg. Sie soll zwei benachbarte Bauern "verhext" haben. Die Quellen geben keine Auskunft, wer die Frau als Hexe denunziert hatte und warum sie in Hüls vor Gericht stand. Horst Steimel kommt in einer historischen Betrachtung für den Bürgerverein Inrath zu dem Schluss, „dass es sich bei Nesgen to Range um eine Bewohnerin des Rangs-Hofes handelte.

 

Auch durch den Namenszusatz ` to´ (zu/auf) wird deutlich, dass Nesgen ( Agnes) vom Rangs-Hoff, also vom Inrath kam und zwei ihrer unmittelbaren Nachbarn verhext hatte.“ Ihr Geständnis erzwangen die Gerichtsherren durch Folter. Sie wurde zum Tode verurteilt. Steimel datiert es auf den 5. März 1492 (Rosenmontag). Das Urteil wurde wahrscheinlich auf dem Kempener Richtplatz auf der Nordseite des Hülser Berges, wo heute der Schluff seine Trasse hat.

 

Nesgen to Range sollte nicht die letzte Frau sein, die auf heutigem Krefelder Gebiet der Hexerei bezichtigt und vor Gericht gestellt worden ist. In dem kurkölnischen Städtchen Uerdingen kam es 1589 zu einem Prozess und im kurkölnischen Linn zu Prozessen in den Jahren 1601, 1604, 1605 und 1608. Dabei wurden die Frauen gefoltert, in Uerdingen sogar der Wasserprobe unterzogen, doch in allen Fällen wurden sie nicht hingerichtet.

 

Die Wasserprobe wurde in Teichen oder Flüssen praktiziert. Falls die/der gefesselte Angeklagte oben schwamm, galt dies als Beweis für Hexerei; doch wenn er unterging, war das längst noch nicht der Gegenbeweis. Dies konnte immer noch als Ausnahme gewertet werden. Man glaubte, dass das reine Element Wasser Hexer abstoßen würde.

 


Vor 40 Jahren: Krefelder Wahrzeichen wird gesprengt

Hinterhöfler erinnern an den Wasserturm an der Gladbacher Straße, der einer Monster-Kreuzung im Wege stand

 

© Von Egon Traxler

 

Fünf gesetzte Herren in Frack, Melone und weißen Gamaschen verharren feierlich auf der Mittelinsel des Verkehrsknotens Obergath/Gladbacher Straße. Vor fast genau 40 Jahren, am 27. April 1974 gegen 17 Uhr wurde das Wahrzeichen desK refelder Südens, der 50 Meter hohe Wasserturm an der Gladbacher Straße, gesprengt. Mit einer Gedenkminute erinnern die Hinterhöfler verspätet daran. Den April-Termin hatten sie "schlicht vergessen".

 

Frack, Melone und Gamaschen zur Gedenkminute auf der Mittelinsel: Karl Malutzki, Bob Mc Crory, Klaus Holzemer, Gerd Rudolph und Klaus Schäfer (v.l.) gehören zu den Hinterhöflern.

 Karl Malutzki, Bob McCrory, Klaus Holzemer, Gerd Rudolph, Klaus Schäfer (v.l.) Foto: DJ/WZ

 

Noch 1969 gab es Pläne, ein Aussichtscafe im Dach des nicht mehr genutzten Turms zu installieren. 76 Jahre hatte der Turm zuvor dort gestanden. Erbitterte Proteste der Bevölkerung waren vergeblich. Zehn Jahre nach der Sprengung setzten die damals sieben Hinterhöfler am 27. April symbolisch einen Grabstein am früheren Platz des Wasserturms. Dazu schrieben sie:

 

„Wir wollen mit dieser Mahnung an Sünden der Vergangenheit alle Krefelder an die Verpflichtung erinnern, erhaltenswerte Bauwerke vor dem Schlimmsten zu bewahren – und sei es vor der Verwaltung.“ Den Stein, allerdings ohne Inschrift, gibt es noch heute.

 

 

 

Sprengmeister Helmut Roller drückte vor rund 40 Jahren auf den Knopf, der die Zerstörung auslöste. Der Turm

musste den  Verkehrsplanern der Verwaltung weichen. Mit dem Ausbau von Ober- und Untergath als Zubringer zur 1972eröffneten Autobahn A 57 wurde für die Kreuzung Gath/Gladbacher-/Heideck-/Oberschlesien-/Spinnereistraße ein riesiger neuer Knoten geplant. Da war der Turm im Wege.   

 

Die Ulktruppe Hinterhöfler bildete sich beim 1. Hinter(n)hofball 1973 an der Lehmheide 5. Vorläufer war ein Jahr zuvor das legendäre Dschungelfest an selber Stelle. Musikalisch eng verbunden waren die Frack- und Melonenträger mit den Skyriders und der Schmackes Brass Band.

 

Sie machten u.a. mit dem ersten Kappesfest 1990 bei Herbst Pitt und danach bis heute im Nordbezirk Furore. Die 19. Auflage des Kohl-Festivals steht in den nächsten Tagen an. Oder mit dieser Aktion: 2008 montierten sie in aller Frühe an Altweiber auf dem Bismarcksockel am Bismarckplatz Heringsgräten als Symbol für ein „Katerfrühstück“. Nach viel öffentlicher Aufregung wurde beschlossen, die „Plastik" von Rüdiger Tiefers zu versteigern. Der Erlös – immerhin zweitausend Mark - ging an Essen auf Rädern.

 

 

 

Die Hinterhöfler:

Zur Ulktruppe der Hinterhöfler gehören: Karl Malutzki, Bob McCrory, Klaus Holzemer, Gerd Rudolph, Klaus Schäfer.Verstorben sind inzwischen  Lothar Schnaß, Günther Hackel, Manfred Schreckenberg, Rüdiger Tiefers, Werner Coelenund Gerd Kermper.

 

 

Die Wasserfrage:

Der Bau eines Wasserwerks und von Wassertürmen war erforderlich geworden, nachdem sich Krefeld von einem Dorf zu einer Industriestadt entwickelte. Die Einwohnerzahl versiebenfachte sich 1870 auf 60.000 Personen im Vergleich zu 1800.Der Turm an der Gladbacher Straße sicherte den Wasserbedarf vor allem der im Jahr 1900 gegründeten Edelstahlwerke.

 

Das Bauwerk:

Rund 1600 Kubikmeter Wasser fasste der Turm, der eine starke und teure Trägerkonstruktion benötigte. Die dafür errichteten Mauern erreichten im Erdgeschoss eine Dicke von zwei Metern. Das so eingelagerte Wasser diente zur Vorratsspeicherung und zum Ausgleich von Verbrauchsschwankungen, konnte aber auch zur Abgabe von Löschwasser genutzt werden. In den1990er Jahren wurde die Anzahl der aktiven Wasserwerke von vier auf zwei reduziert. Heute stehen nur noch die Türme an der Gutenbergstraße und in Hüls.

 

www.hinterhoefler.de


 

Von Coatzacoalcos zur Beringstraße

 

Am  22. September 2014 konnte ich vor der Uerdinger Bücherei am Marktplatz 5 aus meiner Reportage "Dämmerung in der Polarnacht" lesen. Entgegen der Ankündigung war es kein unveröffentlichter Text, sondern einer, den ich vor25 Jahren veröffentlicht habe. Darin findet sich auch ein Anknüpfungspunkt zur vorübergehend geschlossenen Uerdinger Bücherei. Die Reportage handelt vom Leben der Jugyten

 

 

und Inuits zwischen Polarmeer und Beringstraße. Und ja, es ging auch um die Suche nach einer gerechten Welt. Und auch Coatzacoalcos/Yucatan spielte eine Rolle und Salma Hayek    

  

Die Lesungen finden immer nach einem kleinen Ritual statt: Begrüßung der Zuhörenden sowie des vortragenden Lesers bzw. der Leserin durch ein AK-Mitglied, dann gemeinsames Singen der Strophe "Die Gedanken sind frei", es folgt der Lesevortrag, dann der Dank dafür sowie Austausch von Neuigkeiten und Informationen. Zum Abschlusssingen alle die 3-strophige-Bücherei-Hymne , die Julia Trapp in Anlehnung an "Die Gedanken sind frei" gedichtet hat. 

 

Bei den Lesungen kann man auch diese Tassen des Arbeitskreises zum Erhalt der Bücherei für fünf Euro erwerben.  

Foto: Ursula Mende

  

www.ak-buecherei-uerdingen.de

 

 Jubiläumstasse-Balkon  

 

Jubiläumstasse-Eule 

 


 

August 2014

Wenn Jörg Singer „Gas“ gibt, zischt der Schluff

Nach der Hauptuntersuchung auf der historischen Dampflok zum Hülser Berg

 ©Von Egon Traxler

 

Es ist heiß da oben. Lokführer Jörg Singer (42) wiegt den Kopf. „Je nach Außentemperatur kommen wir hier schon mal so auf 40 Grad Wärme.“ Und dann lässt gelernte Schlosser Dampf ab. „Jetzt gibt er sozusagen Gas“, lacht der sogenannte Beimann Werner Hamann auf der Lok Bismarck XV. Für das Zischen und Schnauben der historischen Henschel-Dampflok von 1947 erntet das Duo Beifall und Winken von den Biertischen am Bahnsteig des Nordbahnhofs. „Da machen wir schon mal ein wenig mehr Dampf für das Publikum“, sagt Hamann.

 

Für die 13,6 Kilometer von St. Tönis bis zum Hülser Berg braucht der SWK-Zug knapp eine Stunde. „Wir dürfen nur 30 Stundenkilometer fahren“, bedauert Singer. Das ist ein Drittel weniger, als die mögliche Höchstgeschwindigkeit des Zuges,an dem neben fünf Passagier- und einem Barwaggon noch ein bis zwei Packwagen für Fahrräder und Kinderwagendranhängen. Alleine die Lok bringt es auf ein Gewicht von mehr als 60 Tonnen und leistet rund 600 Pferdestärken.

 

Hochgefahren werden muss die Technik bereits drei Stunden vor der Abfahrt“, erklärt der Oppumer. Erst dann habe die Bismarck genug Dampf im Kessel. 

 

Alleine 2013 waren es über 20 000 Gäste, die sich mit dem „Schluff“ ins Grüne und wieder zurück in die Stadt bringen ließen. Zehn Euro (Kinder sechs) kostet das Vergnügen. Und überall wird ihm zugewunken, erntet er fröhliche Gesichter.Sogar die Autofahrer, die an den Schranken halten müssen, haben ein Lächeln für den Zug und seine Gäste parat.

 

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 Apropos Schranken. Nicht alle Kreuzungen des Schienenstrangs sind beschrankt. Vor solchen Übergängen pfeift die Lok durchdringend und hält schließlich. Der Zugbegleiter eilt nach vorne und warnt Kraftfahrer und Fußgänger mit einer rot-weißen Fahne. Dann erst kann Singer wieder „Gas“, sprich Dampf geben.“ An anderen Übergängen kann der Beimann das Rotlicht über einen Knopf in der Lok auch per Fernbedienung regeln.

  

Wie ein Auto regelmäßig zum TÜV muß, wird auch die Lok regelmäßig einer Untersuchung unterzogen. In diesem Jahr musste die Bismarck zur alle acht Jahre fälligen Hauptuntersuchung ins thüringische Meiningen. Per Tieflader ging es im Dezember letzten Jahres ins einzige Dampflokwerk in Westeuropa. Am 28. Juni war die Lok nach einem halben Jahr wieder zu den geplanten Hochzeitsfahrten zurück. Allerdings mit einer saftigen Rechnung. 390 000 Euro hat die Überholung gekostet.

 

Guido Stilling, Geschäftsführer der SWK-Mobil und des Fördervereins „Schluff und historische Verkehrsmittel“:

„Für so ein altes Schätzchen gibt es natürlich keine Ersatzteile von der Stange. Jede Schraube, jede neue Leitung muß manuell angefertigt werden.“ Die Lok sei in Meiningen komplett auseinander genommen und wieder aufgebaut worden. Die Technik wurde auf Herz und Nieren geprüft und instand gesetzt.

 

Bis auf den ausgetauschten Brennkessel war die Abnutzung nicht allzu groß, ist Stilling erleichtert. Dennoch wird der Förderverein für die Kosten kräftig mit dem Klingelbeutel aktiv werden. Hilfe kommt auch von der  Kultur-Stiftung der Sparkasse. Sie wird in drei Tranchen insgesamt 180 000 Euro beisteuern.

 

 

  http://www.swk.de/schluff

 

 

 


 

Die Fischer von Molos retten deutsche Soldaten

Im  August 1944 sank vor der Kykladen-Insel Paros ein deutscher Minenräumer

  

© Von Egon Traxler

 

Vor fast genau 70 Jahren, in den Morgenstunden des 27. August 1944 läuft das deutsche Minensuchboot R 38 der 12. R-Flottille in der Bucht von Molos auf der Kykladen-Insel Paros auf eine englische Mine. 18 der über 30 Marinesoldaten sterben bei der Explosion, viele werden schwer verletzt. Darunter auch der damals 18jährige Erwin Ostmann aus Bielefeld. Griechische Fischer retten die Überlebenden der deutschen Besatzer aus der stürmischen See.

Das ereignet sich drei Monate, nachdem die deutschen Okkupanten am 21. Mai 1944 den 23 Jahre alten Nikolas Stellas im Dorf Marpissa nahe Molos öffentlich mit dem Strang hingerichtet hatten. Für ihn wurde in Marpissa nach dem Abzug der Deutschen Okkupanten im Herbst 1944 ein Denkmal errichtet.

Stellas hatte an einem Kommandounternehmen des griechischen Widerstandes gegen Einrichtungen des deutschen Militärflughafens auf Paros teilgenommen und wurde dabei gefangen genommen. Paros war für die Besatzer wichtig, weil der Flugplatz als wichtiger Stützpunkt für den Nachschub der Nazi-Truppen auf Kreta diente. 
 

Erwin Ostmann als Soldat und auf Paros

vor dem Denkmal für Nikolas Stellas


Georg von Merenberg, damals deutscher Insel-Kommandant, sollte nach der Hinrichtung Stellas weitere 125 männliche, griechische Geiseln als Rache für den Tod zweier deutscher Soldaten erschießen lassen. Nach einem langen Gespräch mit dem Abt des Klosters Longovardas, Philotheos Zervakos, ließ er sich jedoch überreden, die Geiseln leben zu lassen. Im Gegenzug stellte der griechische Widerstand seine Partisanenaktionen gegen die Deutschen Besatzer ein.

Im Mai 2010 war eine Tochter des von Georg Graf von Merenberg, Clothilde von Rintelen aus Wiesbaden, in Marpissa zu Gast. Sie ist mütterlicherseits die Urur-Enkelin des russischen Dichterfürsten Alexander Puschkin.

Erwin Ostmann besuchte im September 2010 Paros und traf dort mit den Nachkommen der Fischer und Bauern und der Familie Stellas (u.a. mit Nikolas Bruder Ilias) zusammen. Ein Tavernenwirt in Molos (damals 78 Jahre alt) ist der Sohn eines Fischers, der mit anderen Ostmann und seine Kameraden damals rettete.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 


 


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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